Nizza schwarz-weiß

Nizza im August. Die Sonne scheint mit aller Macht und bringt die Farben zum Leuchten. Blauer Himmel, türkisfarbenes Meer, bunte Markisen, Hausfassaden in allen denkbaren Ockertönen. Eine Farborgie. Dazu ist es heiß, voll und laut. Reizüberflutung? Vielleicht gefallen mir deshalb von allen Fotos, die ich mitgebracht habe, einige Schwarz-Weiß-Aufnahmen am besten.

Nizza im August © Michael Kneffel

Nizza im August © Michael Kneffel

Nizza im August © Michael Kneffel

Nizza im August © Michael Kneffel

Nizza im August © Michael Kneffel

Nizza im August © Michael Kneffel

Nizza im August © Michael Kneffel

Nizza im August © Michael Kneffel

Nizza im August © Michael Kneffel

Nizza im August © Michael Kneffel

Nizza im August © Michael Kneffel

Nizza im August © Michael Kneffel

Nizza im August © Michael Kneffel

Nizza im August © Michael Kneffel

Nizza im August © Michael Kneffel

Nizza im August © Michael Kneffel

Mein Foto der Woche – Bonbonfarben am Hafen von Nizza

Im August kann Nizza schon anstrengend sein, voll, laut, grell, heiß. Aber dann entschädigen immer wieder die unfassbar vielen Ockertöne, in denen die Fassaden der Altstadthäuser gestrichen sind. Und da Nizza auch die Stadt der Süßigkeiten ist, darf es auch schon mal ins Bonbonfarbene gehen, wie hier am Hafen.

Bonbonfarben am Hafen von Nizza © Michael Kneffel

Bonbonfarben am Hafen von Nizza © Michael Kneffel

KA300. Künstliche Wolken, faszinierende Projektionen und Klangwelten im ZKM

Seit seiner Installation test pattern in Duisburg 2013 bin ich ein großer Fan von Ryoji Ikeda. Seine begehbaren Arbeit lassen keinen Besucher unberührt. Siebzigjährige beginnen zu tanzen, andere stehen minutenlang völlig regungslos oder fallen in tranceähnliche Zustände. Seit drei Tagen ist der japanische Komponist und Medienkünstler mit zwei raumfüllenden Arbeiten unter dem Titel „micro | macro“  im ZKM | Karlsruhe vertreten. In einem der beiden Lichthöfe werden Datenströme sicht- und hörbar. Ohne Schuhe können sich die Besucher in die auf den Boden geworfenen Bilder begeben und werden Teil des Kunstwerks. Im anderen Lichthof macht Ikeda auf einer riesigen stehenden Projektionswand sichtbar, wie ähnlich sich Mikro- und Makrokosmos sind.

micro | macro © Michael Kneffel

micro | macro © Michael Kneffel

micro | macro © Michael Kneffel

micro | macro © Michael Kneffel

micro | macro © Michael Kneffel

micro | macro © Michael Kneffel

micro | macro © Michael Kneffel

micro | macro © Michael Kneffel

micro | macro © Michael Kneffel

micro | macro © Michael Kneffel

micro | macro © Michael Kneffel

micro | macro © Michael Kneffel

micro | macro © Michael Kneffel

micro | macro © Michael Kneffel

micro | macro © Michael Kneffel

micro | macro © Michael Kneffel

Völlig andere Erfahrungen ermöglichen in zwei anderen Lichthöfen des ZKM ein weiterer Japaner, der Architekt Tetsua Kondo, und die Stuttgarter Klimaingenieure von Transsolar. Künstliche Wolken, die auf verschiedenen Ebenen begangen werden können, werden zu „cloudscapes“, Landschaften in den Wolken und führen zu einer fast meditativen Ruhe.

Cloudscapes © Michael Kneffel

Cloudscapes © Michael Kneffel

Cloudscapes © Michael Kneffel

Cloudscapes © Michael Kneffel

Cloudscapes © Michael Kneffel

Cloudscapes © Michael Kneffel

Cloudscapes © Michael Kneffel

Cloudscapes © Michael Kneffel

Cloudscapes © Michael Kneffel

Cloudscapes © Michael Kneffel

Beide Ausstellungen sind noch für mehrere Wochen zu sehen, die von Ikeda bis zum 9. August, die von Transsolar + Tetsuo Kondo sogar noch bis zum 27. September. Unbedingt ansehen! In den Wolken wird es übrigens bis zu 40 Grad warm. Die Stroboskoeffekte bei Ikedas Arbeit können unter Umständen epileptische Anfälle auslösen.

KA300. Schlosslichtspiele – die Show geht weiter

Die Eröffnungsshow zum 300. Stadtgeburtstag ist vorbei. Ein einmaliges Event in jeder Bedeutung des Wortes. Das heißt aber nicht, dass auf der Schlossfassade keine Projektionen mehr zu sehen sein werden. Im Gegenteil, jetzt geht´s erst richtig los. „Schlosslichtspiele“ heißt das Kunstereignis des ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, das unmittelbar nach der Show eröffnet wurde. Internationale Künstler und Künstlergruppen entwickeln für die Lichtspiele neue multimediale Werke, von denen einige interaktiv sein werden. Seit Samstag ist die Projektion »300 Fragmente« der ungarischen Künstlergruppe Maxin10sity auf der gesamten Schlossbreite zu sehen. Von strengen geometrischen Formen bis zu psychedelischen Farborgien zaubern die Ungarn umwerfende Bilder auf die Fassade und bringen das Schloss zum Tanzen. Noch bis zum 26. September werden jeweils ab 30 Minuten nach Einbruch der Dunkelheit bis Mitternacht und am Wochenende bis 1 Uhr die Projektionen und Videomappings zu sehen sein. Unbedingt ansehen! Wenn sich das unter den Fotofreunden in Deutschland herumspricht, wird nachts vor dem Schloss in den nächsten Wochen ganz schön was los sein.

aus "300 Fragmente" von Maxin10sity © Michael Kneffel

aus „300 Fragmente“ von Maxin10sity © Michael Kneffel

aus "300 Fragmente" von Maxin10sity © Michael Kneffel

aus „300 Fragmente“ von Maxin10sity © Michael Kneffel

aus "300 Fragmente" von Maxin10sity © Michael Kneffel

aus „300 Fragmente“ von Maxin10sity © Michael Kneffel

aus "300 Fragmente" von Maxin10sity © Michael Kneffel

aus „300 Fragmente“ von Maxin10sity © Michael Kneffel

aus "300 Fragmente" von Maxin10sity © Michael Kneffel

aus „300 Fragmente“ von Maxin10sity © Michael Kneffel

aus "300 Fragmente" von Maxin10sity © Michael Kneffel

aus „300 Fragmente“ von Maxin10sity © Michael Kneffel

aus "300 Fragmente" von Maxin10sity © Michael Kneffel

aus „300 Fragmente“ von Maxin10sity © Michael Kneffel

aus "300 Fragmente" von Maxin10sity © Michael Kneffel

aus „300 Fragmente“ von Maxin10sity © Michael Kneffel

aus "300 Fragmente" von Maxin10sity © Michael Kneffel

aus „300 Fragmente“ von Maxin10sity © Michael Kneffel

aus "300 Fragmente" von Maxin10sity © Michael Kneffel

aus „300 Fragmente“ von Maxin10sity © Michael Kneffel

aus "300 Fragmente" von Maxin10sity © Michael Kneffel

aus „300 Fragmente“ von Maxin10sity © Michael Kneffel

KA300. Warten auf das Fest

Samstag 16:00 Uhr. Vor den Absperrungen am Karlsruher Schlossplatz haben sich bereits hunderte Schaulustige in Feierlaune versammelt und wollen sich einen guten Platz für die abendliche Eröffnungsshow sichern. Viele haben Klappstühle, Decken und Picknickkörbe dabei. Bis zum Abend ist noch viel Zeit, aber das scheint den meisten nichts auszumachen. Am Ende werden sich 40.000 Menschen vor dem Schloss eingefunden haben und ein faszinierendes Spektakel erleben.

vor der Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

vor der Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

vor der Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

vor der Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

vor der Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

vor der Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

vor der Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

vor der Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

vor der Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

vor der Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

vor der Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

vor der Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

vor der Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

vor der Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

vor der Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

vor der Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

vor der Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

vor der Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

KA300. Karlsruhe feiert Geburtstag und startet mit einer grandiosen Show am Schloss

Karlsruhe begeht in diesen Jahr den 300. Geburtstag und ist am Samstag mit einer spaktakulären Eröffnungsshow in den Festivalsommer gestartet. Ich bin schon seit Dienstag in der Stadt, um die Veranstaltungen der ersten Festivalwoche zu fotografieren und war schon vor dem Samstag schwer beeindruckt von Umfang, Vielfalt und Qualität des Festivalprogramms, das jeder offiziellen Europäischen Kulturhauptstadt Ehre machen würde. Diese Show aber hat mich begeistert. Die gesamte Schlossfassade wurde zur Projektionsfläche, auf der Ereignisse und Persönlichkeiten der Stadtgeschichte erschienen. Davor traten in schneller Folge und mit einer enormen Dynamik Sänger, Tänzer und Chöre aus Karlsruhe auf, zu einer wuchtigen Musik, die körperlich spürbar war. Ein Fest für alle Sinne. Gratulation an Karlsruhe, zum Geburtstag und zu diesem Event. Wirklich Weltklasse!

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

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Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnugsshow KA300 © Michael Kneffel

Eröffnungsshow KA300 © Michael Kneffel

Biarritz – Liebe auf den zweiten Blick (Teil 1)

Auf unserer Fahrt nach Biarritz im äußersten Südwesten Frankreichs haben wir die Autobahn schon etwa fünfzig Kilometer vor unserem Zielort verlassen, um am Samstag vor Ostern nett zu Mittag zu essen und anschließend entspannt die Küstenstraße entlang zu bummeln. Nach dem Studium der Michelin-Karte haben wir uns für den kleinen Ort Léon entschieden, der durch einen Stern als sehenswert gekennzeichnet ist. Die Parkplätze des Ortes sind zu unserer Überraschung fast vollständig durch spanische PKW besetzt, und es dauert eine ganze Weile, bis wir eine Lücke finden und uns zu Fuß auf die Suche nach einem geeigneten Restaurant machen können. Irgendwo in Nordspanien muss ein Atomkraftwerk explodiert sein, und die gesamte Bevölkerung im Umkreis von 100 Kilometern ist über die Grenze nach Frankreich an die baskische Küste geflohen. Anders können wir uns kaum erklären, warum wir plötzlich von unzähligen spanischen Großfamilien umringt sind, deren Mitglieder aussehen, als hätten sie nur das mitnehmen können, was sie gerade auf der Haut trugen – vorzugsweise Trainingsanzüge und andere Kleidungstücke, in denen man es sich zu Hause gemütlich macht. In den Restaurants gibt es kaum noch freie Plätze, aber die Besitzer müssen mit dem spanischen Exodus gerechnet haben und sind voll auf Massenabfertigung eingestellt. Wir beschließen schnell, in einem anderen Ort unser Glück zu versuchen, und fahren irritiert weiter. Spanische Sätze rasseln und klingeln uns noch lange in den Ohren. Die Männer von jenseits der Grenze scheinen großen Wert darauf zu legen, im Umkreis von mindestens zwanzig Metern von jedem und jederzeit gut gehört werden zu können. Auf unserer Weiterfahrt machen wir noch eine weitere Entdeckung. In Nordspanien scheint eine besondere Form von Matriarchat im Straßenverkehr zu herrschen, wobei jeweils das älteste weibliche Mitglied der Großfamilie den Platz am Lenkrad für sich beanspruchen darf. In einer endlosen Karawane spanischer Autos zuckeln wir mit Tempo 30 von Küstenort zu Küstenort, machen uns schließlich über die letzten Reste unseres Reiseproviants her und hoffen nur noch, endlich Biarritz zu erreichen.

Die vermeintlich reizvolle Küstenstraße führt zuletzt durch ausgedehnte Industrie- und Gewerbegebiete von Bayonne und Anglet, und der Stadtrand von Biarritz ist nicht viel attraktiver als der von Bottrop oder Castrop-Rauxel. Als wir endlich vor unserer Unterkunft, dem Apartmenthaus Haguna von Pierre & Vacances in der Avenue de la Reine Victoria ankommen, wird uns schnell klar, dass an einem teuren Einstellplatz in der Tiefgarage unseres Hauses kein Weg vorbei führen wird. Biarritz scheint an diesem Osterwochenende vor Verkehr aus allen Nähten zu platzen, und freie Parkplätze sind im Stadtgebiet absolute Mangelware.

Unser Haus und unser Apartment überraschen uns positiv. Nur als wir ein Fenster zur Straße öffnen, beschleicht uns der Gedanke, dass es vielleicht doch keine gute Idee war, Ruhe und Entspannung in den Osterferien ausgerechnet in Biarritz suchen zu wollen. Die Stadt brummt, nein, sie röhrt. Der Verkehrslärm ist enorm. Und auch hier scheint ein Wettbewerb ausgetragen zu werden, den wir bereits aus unserem Heimatort kennen. Nur noch nicht so heftig. Während früher die brennendsten Fragen (dauer)pubertierender Führerscheininhaber lauteten: „Wer hat den Schnellsten? Wer hat den Stärksten?“, scheinen dieselben Menschen heute auf den Straßen vor allem eines demonstrieren zu wollen: „Ich habe den Lautesten!“ Alle Pariser Besitzer von Ferraris, Maseratis und ähnlichen Fahrzeugen scheinen sich dazu über Ostern in Biarritz versammelt zu haben. Den Vogel hat dann aber ein Motorradfahrer abgeschossen, der um zwei Uhr nachts mit geschätzten 120 Sachen an unserer Unterkunft vorbeigeschossen ist und dabei so einen Lärm entwickelt hat, dass uns die Vibration der Ohrenstopfen in unseren Gehörgängen geweckt hat. Bei geschlossenem Fenster! Das muss man erst mal schaffen.

Phantombild des nächtlichen Rasers © Michael Kneffel

Phantombild des nächtlichen Rasers © Michael Kneffel

Die Zweifel an der richtigen Wahl unseres Urlaubsortes verdichten sich fast zur Gewissheit, als wir am Ostersonntag bei der ersten Ortsbegehung in einem dichten Pulk von Spaniern und im Tempo einer Fronleichnamsprozession über die berühmte Strandpromenade des Ortes geschoben werden. Die spanischen Männer tragen immer noch Trainingsanzüge, einige ihrer Frauen aber haben die Frottee-Hausanzüge gegen kurze, dünne, vorzugsweise rote Kleidchen und Pumps mit mindestens 10 Zentimeter hohen Absätzen getauscht.  Am Ostersonntagmorgen. Bei eisigem Wind. Dazu haben manche von ihnen Makeup aufgetragen, als wollten sie an einem Dragqueen-Wettbewerb teilnehmen. Beschallt werden wir von einer riesigen Lautsprecheranlage neben dem Casino, die mühelos selbst die Iberer und die neben der Promenade dicht an dicht entlangröhrenden Autos und Motorräder übertönt. Über Ostern werden vor der Promenade die französischen Surfmeisterschaften ausgetragen, und fachkundige Kommentatoren preisen zwischen wummernden Disco-Bässen die sportlichen Leistungen auf den Wellen.

Ostertrubel am Strand von Biarritz © Michael Kneffel

Ostertrubel am Strand von Biarritz © Michael Kneffel

Wir fliehen Richtung Ortskern und landen schließlich an der Markthalle oben in der Stadt, wo sich eine ganz andere Szene versammelt hat. Frauen jenseits der 50, mindestens einmal zuviel geliftet und im Look ihrer Töchter, und ihre gleichaltrigen männlichen Begleiter in zu engen Lederjäckchen drängen sich zwischen der Halle und den Bars und Restaurants auf der anderen Straßenseite. Mit Weißwein- und Champagnergläsern in der Hand werden hier gute Laune und Reichtum demonstriert. Wir haben die Insassen der  Pariser Luxuskarrossen mit den lärmenden Auspuffanlagen gefunden, hätten darauf aber auch gut verzichten können und schwören uns innerlich, in diese Gegend der Stadt nie wieder einen Fuß zu setzen. Wo sind wir hier bloß hingeraten? Erste Gedanken an sofortige Abreise keimen in uns auf.

Gedämpft wird dieser Impuls allerdings von der Schönheit unzähliger Gebäude in dieser Stadt. Wir wissen oft gar nicht, wo wir zuerst hinsehen sollen. Prächtige Stadtvillen überall. Der Hochadel Europas hat sich in Biarritz ab der Mitte des 19. Jahrhunderts architektonisch verewigt, nachdem Napoléon III. seiner Gemahlin Eugénie eine imposante Residenz in dem vorher unbedeutenden Fischerort errichten ließ. Das Gebäude thront über dem Strand am nördlichen Ende der Promenade und dient heute als Luxushotel. Mit dem Adel kam der internationale Jetset und festigte ein Jahrhundert lang das Image eines  mondänen Badeortes. Rund um die kaiserliche Residenz entstanden Sommerwohnsitze, erst noch im imperialen Stil, dann im verspielten Jugendstil und schließlich im klareren art déco. Biarritz ist ohne Zweifel eine schöne Stadt. Wenn nur nicht dieser Rummel und Lärm wären.

Strandvilla in Biarritz © Michael Kneffel

Strandvilla in Biarritz © Michael Kneffel

Auf der Suche nach einem ruhigen Plätzchen landen wir schließlich im Zentrum der Stadt im proppevollen Café La Coupole, einer traditionellen Brasserie an der Place Georges Clemenceau, wo gerade ein Kellner einen weiblichen Gast abkanzelt. Die junge Frau hatte sich in einem Gemisch aus Spanisch und Englisch darüber beschwert, dass sie nach ihrer Meinung zu lange auf ihr Getränk hatte warten müssen. Offensichtlich sind wir nicht die Einzigen, denen die spanische Oster-Invasion auf die Nerven geht. Als der Kellner grimmig auf uns zusteuert, rechnen wir mit dem Schlimmsten, werden aber angenehm überrascht. Nachdem wir unsere Bestellung in enem einigermaßen flüssigen Französisch aufgegeben haben, wandelt sich seine Miene, und wir werden sehr freundlich bedient. In den folgenden Tagen wird das La Coupole zu einer festen Anlaufstelle für uns, vor allem zur Frühstückszeit, aber auch zu anderen Tageszeiten immer wieder gerne.

Vielleicht wäre es aber gar nicht mehr dazu gekommen, hätten nicht die Massen von spanischen und Pariser Ostertouristen nahezu schlagartig die Stadt am Ostermontag verlassen. Plötzlich war alles anders, und für uns begann eine schöne Zeit in einer überaus angenehmen Stadt, in der es sehr entspannt zugeht. (Fortsetzung folgt.)

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Abends am Meer in Biarritz…

nach dem letzten Wellenritt © Michael Kneffel

nach dem letzten Wellenritt © Michael Kneffel

auf dem Weg zur Arbeit © Michael Kneffel

auf dem Weg zur Arbeit © Michael Kneffel

beim Einüben neuer Tricks © Michael Kneffel

beim Einüben neuer Tricks © Michael Kneffel

einfach nur abhängen © Michael Kneffel

im Gespräch mit Freunden © Michael Kneffel

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Mein Foto der Woche – Fußballer vor dem Eiffelturm

Fußballer vor dem Eiffelturm © Michael Kneffel

Fußballer vor dem Eiffelturm © Michael Kneffel

Dieses Foto stammt aus Paris im letzten Dezember und gehört auch noch in die Serie „Paris noir„. Nur wenige Meter entfernt vom unaufhörlichen Touristenstrom entlang der Seine zum Eiffelturm spielen Amateure Fußball im Stade Emile Anthoine. Eine Insel des Alltags und der Normalität.

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Fondation Louis Vuitton – neue Aussichtsplattform für Paris

Fondation Luis Vuitton © Michael Kneffel

Fondation Louis Vuitton © Michael Kneffel

Als der französische Multimilliadär Bernard Arnault, Herrscher über den Luxusartikelkonzern LVHM Moet Hennessy -Louis Vuitton, vor acht Jahren die Stiftung Louis Vuitton gründete und den Stararchitekten Frank O. Gehry beauftragte, ein Haus für seine private Kunstsammlung in den Bois de Boulogne zu bauen, war schon klar, dass Paris eine neue spektakuläre Attraktion bekommen würde. Seit Oktober letzten Jahres ist das Gebäude mit dem Namen „Fondation Louis Vuitton“ eröffnet und zieht seitdem Massen kunstsinniger Touristen in den Park im Westen der Stadt. Wie ein Schiff unter vollen Segeln scheint die Konstruktion aus Glas, Stahl und Beton mit ihrem treppenartigen Brunnen an der Nordspitze in die weite See zu stechen.

Fondation Luis Vuitton © Michael Kneffel

Fondation Louis Vuitton © Michael Kneffel

Bei unserem letzten Parisbesuch im Dezember waren wir natürlich auch neugierig, buchten die Tickets vorab im Internet und nutzten den preiswerten Busshuttle (1 Euro pro Person) von der Haltestelle in der Avenue de Friedland, nur wenige Meter vom Arc de Triomphe entfernt. Wir hatten Glück und bekamen gleich im ersten Bus zwei Plätze. Das ist nicht selbstverständlich, denn die Busse sind klein und der Andrang ist beachtlich. Auch die Schlange am Eingang der neuen Sehenswürdigkeit konnten wir dank unseres Onlinetickets links liegen lassen und sofort zuerst den Park und dann das spektakuläre Architekturobjekt entern. Kaum im Gebäude angekommen zog es uns – wie die meisten anderen Besucher – schnell wieder über eine der vielen Treppen nach draußen. Auf verschiedenen Ebenen bieten zahlreiche Plattformen interessante Perspektiven in die Außenhülle des Gebäudes – und natürlich auf Paris!

Fondation Luis Vuitton © Michael Kneffel

Fondation Louis Vuitton © Michael Kneffel

Über den Nordteil des Bois de Boulogne hinweg geraten immer wieder die Hochhäuser von La Defense mit der Grand Arche in den Blick, in der Gegenrichtung ist der Eiffelturm zu sehen und animiert die Besucher zu unzähligen Fotos und Selfies.

Fondation Luis Vuitton © Michael Kneffel

Fondation Louis Vuitton © Michael Kneffel

Insgesamt hatten wir den Eindruck, dass die meisten Besucher weniger am Inhalt als vielmehr am Gebäude selbst und der Aussicht auf die Stadt interessiert waren. Uns ging es ähnlich, zumal die Ausstellungsräume zwar viel teure Kunst bargen, aber Wolfgang Tillmanns, Alberto Giacometti, Nam Jun Paik, Sigmar Polke und Thomas Schütte – um nur einige Künstler der aktuellen Ausstellung zu nennen -, wirkten schon etwas beliebig zusammengestellt und sind auch anderswo nicht gerade selten zu sehen.

Die Hauptattraktion ist zur Zeit noch das Gebäude, eine begehbare Großskulptur mit schöner Aussicht auf Paris.

Fondation Luis Vuitton © Michael Kneffel

Fondation Louis Vuitton © Michael Kneffel

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