Tour de France 2017 – Grand Départ in Düsseldorf

La Tour de France © Michael Kneffel

La Tour de France © Michael Kneffel

Am kommenden Samstag geht´s wieder los, nicht gleich am Mont Ventoux wie auf meinem Foto, sondern in Düsseldorf. Le Grand Départ der Tour de France 2017. Nicht dass ich diese Radsportveranstaltung sportlich noch ernst nehmen würde. Wie die meisten anderen Zuschauer denke ich mir meinen Teil, wenn nach fast 200 Kilometern Fahrstrecke hoch in den Alpen oder Pyrenäen plötzlich der Kapitän des teuersten Teams antritt, alle anderen Fahrer wie Amateure aussehen lässt und den letzten, mörderischen Anstieg schneller hinauf fährt, als ich ihn jemals hinunter fahren könnte.

Trotzdem liebe ich die Tour de France, weil die Fernsehübertragungen der einzelnen Etappen Jahr für Jahr schöne Einblicke in die verschiedensten Regionen des Landes bieten. Noch schöner, als vor den Fernseher zu sitzen, ist es allerdings, irgendwo auf dem Lande selbst als Zuschauer dabei zu sein. Die Tour de France ist das größte Volksfest des Landes. Hier feiern die Franzosen den Sommer, ihre Esskultur, sich selbst und natürlich auch den Radsport. Auch wenn das Hauptfeld erst am Nachmittag vorbei kommen wird, pilgern die Einwohner der Dörfer im Umkreis schon am Morgen zur Strecke. Stühle, Tische und Sonnenschirme werden aufgestellt, Decken ausgebreitet, die Kühltaschen mit dem Essen und den Getränken irgendwo im Schatten verstaut. Stunden vor den Radfahrern zieht eine scheinbar endlose Karawane von kleinen und großen LKW unter lautem musikalischen Getöse über die Strecke und ihre Insassen bewerfen die Menschen am Straßenrand mit allen erdenkbaren Werbegeschenken, mit Gemüsekonserven, Nudelsieben, Sonnenhüten, Blumen, Süßigkeiten… Pünktlich um 12 Uhr beginnt das große Picknick, und wenn das Hauptfeld der Fahrer dann schließlich am Nachmittag innerhalb weniger Sekunden vorbeirauscht, haben die Ordnungskräfte alle Hände voll zu tun, diejenigen von der Strecke zu halten, die unter der Mittagssonne das eine oder andere Gläschen Wein zuviel getrunken haben.

Tour de France und Karnevalsumzüge im Rheinland haben also mehr Gemeinsamkeiten, als man im ersten Augenblick so denkt. Von daher ist Düsseldorf vielleicht gar kein schlechter Ort für den diesjährigen Auftakt. Ich werde ihn auf einem Schiff am Rheinufer miterleben und bin sehr gespannt auf das Zusammentreffen von französischer und Düsseldorfer Feierkultur.

Skulptur Projekte Münster 2017 – erste Annäherung

Ziemlich spontan und unvorbereitet machten wir uns am letzten Sonntag auf den Weg zu den Skulptur Projekten Münster 2017. Wie sich das in Münster gehört, waren wir auf unseren Fahrrädern unterwegs, angesichts der weiten Verteilung der Skulpturen auf das gesamte Stadtgebiet keine falsche Entscheidung. Erste Station unserer Erkundung:  die Installation „On Water / Auf dem Wasser“ von Ayse Erkmen im Binnenhafen. Knapp unter der Wasseroberfläche hat die Künstlerin einen Steg installieren lassen, der beide Ufer miteinander verbindet und große Besuchermengen anzieht. Geöffnet wurde der Steg um 12 Uhr, aber schon vorher hatten sich auf beiden Seiten beachtliche Schlangen gebildet. Menschen aller Altersgruppen und unterschiedlichster Herkunft wollten die Illusion genießen, über Wasser laufen zu können, und sich bei hochsommerlichen Temperaturen eine Abkühlung gönnen. Um an dieser Kunst Gefallen zu finden, muss man nicht besonders kulturaffin sein und/oder lange schriftliche Erklärungen gelesen und verstanden haben. Entsprechend vergnügt und entspannt war die Atmosphäre rund um das Hafenbecken.

Als nächste Anlaufstation hatten wir uns auf der Übersichtskarte zu den Projekten das LWL-Museum für Kunst und Kultur im Stadtzentrum ausgeguckt. Im Museum selbst und in seiner unmittelbaren Umgebung sind mehrere Skulpturen zu finden. Die Betonung liegt in diesem Fall auf dem Verb „finden“. Bei der Arbeit von Michael Dean, der Beschreibung nach im Lichthof des Museums angesiedelt, ist uns das Finden nicht gelungen. Während wir um das Museum irrten, hörten wir von anderen Suchenden desöfteren Sätze wie: “ Die einen Skulpturen findet man nicht. Bei anderen weiß man, wenn man davor steht, gar nicht, ob das wirklich Kunst ist.“ Zur Verwirrung tragen rund um das Museum einige Installationen bei, bei denen es sich wahrscheinlich um Kunst-Parodien Münsteraner Bürger handelt. Fotografiert werden sie deswegen nicht weniger als die offizielle Kunst.

 

Ist der vor dem Museum geparkte Tieflader Kunst oder das verhüllte LWL-Logo an der Fassade? Nach einem weiteren erfolglosen Versuch der systematischen Suche beschließen wir, auf den Zufall zu setzen und einfach mal mit den Rädern die Stadt auf der Promenade zu umrunden. Dabei stoßen wir auf Nicole Eisenmans Arbeit „Sketch for a Fountain / Skizze für einen Brunnen“ auf einer Wiese, bei der fünf Figuren, drei aus Gips und zwei aus Bronze, um ein Wasserbecken gruppiert sind. Zwei von ihnen spritzen aus ihren Unterschenkeln Wasser in das Becken und erwerben sich dadurch an diesem heißen Tage die Sympathien vieler Besucher, besonders der ganz jungen.

Nach einer komletten Innenstadtumrundung brechen wir unsere Suche ab, genießen noch ein wenig das Gesamtkunstwerk Prinzipalmarkt und beschließen, uns vor dem nächsten Besuch intensiver vorzubereiten oder gleich eine der angebotenen Führungen zu buchen.