The Head and the Load – fulminanter Auftakt der Ruhrtriennale 2018

2018 jährt sich das Ende des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal, in dessen Verlauf schätzungsweise 17 Millionen Menschen ihr Leben verloren. In seinem Stück „The Head and the Load“ gibt der aus Südafrika stammende Regisseur William Kentridge den über zwei Millionen Menschen vom afrikanischen Kontinent Gesicht und Stimme, die von den Kolonialmächten gezwungen wurden, in diesen europäischen Krieg zu ziehen.  Auf einer fünfzig Meter breiten Bühne in der Duisburger Kraftzentrale läßt er einen Teil der afrikanischen und europäischen Geschichte lebendig werden, der bisher kaum erforscht und bekannt ist. Kentridge „verbindet eine Neukomposition von Philip Miller, die New Yorker Orchesterformation The Knights, ein internationales Ensemble von Performer*innen, Tänzer*innen und Sänger*innen, einen Chor mechanischer Grammophone, sich überschneidende Filmprojektionen und Schattenspiel zu einer gigantischen Prozession, die jeder Genrezuweisung widerstrebt und die in einem traditionellen Theaterraum nicht gezeigt werden könnte“ (Pressetext der Ruhrtriennale).

Endlich hat die Spielzeit unter der Intendantin Stefanie Carp begonnen, und das so fulminant, überzeugend und inhaltlich beeindruckend wie schon lange nicht mehr. Hoffentlich trägt dieser großartige Auftakt dazu bei, dass die absurden Vorwürfe gegen die neue Intendantin endlich verstummen und dass die peinlichen Versuche, eine wochenlange Kampagne ohne inhaltliche Substanz am Laufen zu halten, eingestellt werden.

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MACK – Apollo in meinem Atelier, Heinz Mack im Museum Küppersmühle

Raum für Apollo © Michael Kneffel

„Ein Raum für Apollo“ von Heinz Mack © Michael Kneffel

Wer kräftige Farben und schöne Formen liebt, sollte diese Ausstellung nicht verpassen. Das Museum Küppersmühle in Duisburg stellt ab morgen Werke des ZERO-Künstlers Heinz Mack aus, die ganz überwiegend bisher noch nicht in Museen gezeigt wurden. Den Schwerpunkt bilden Macks großformatige, farbintensive Gemälde. Besonders beeindruckend ist der von ihm eigens für diese Schau gestaltete Farbraum, „Ein Raum für Apollo“.

 © Michael Kneffel

Pressekonferenz mit Eva Müller-Remmert, Heinz Mack und Walter Smerling © Michael Kneffel

Heute Vormittag wurde die Ausstellung von Museumsdirektor Walter Smerling und der Kuratorin Eva Müller-Remmert zusammen mit dem Künstler der Presse vorgestellt, und ich hatte das besondere Vergnügen, einen 84Jährigen kennen zu lernen, dessen Energie und Schaffensdrang ungebrochen zu sein scheint und der engagiert Positionen vertritt, die ganz explizit nicht im Mainstream der Kunstszene mitschwimmen sollen. Schönheit ist für ihn immer noch ein wichtiges Ideal, auch wenn dieser Begriff in den aktuellen Diskursen über Kunst keinen Platz mehr besitzt.

Heinz Mack kämpferisch © Michael Kneffel

Heinz Mack kämpferisch © Michael Kneffel

Neben 17 in ihrer Farbigkeit leuchtenden Gemälden präsentiert das Museum Macks Skulturengruppe „Die große Familie“  von 1997, neuere kinetische Objekte, Schlüsselwerke aus der ZERO-Zeit, utopische Entwürfe und Modelle für Innen- und Außenräume sowie das 2013 restaurierte „Große Licht-Prisma“ von 1983. Ein hochinteressanter Überblick über das Schaffen eines bemerkenswerten Künstlers.

Heinz Mack im Museum Küppersmühle 2015 © Michael Kneffel

Heinz Mack im Museum Küppersmühle 2015 © Michael Kneffel

(Gelegentlich veröffentlicht WordPress unter meinen Beiträgen Werbung, manchmal ziemlich seltsame. Ich habe darauf keinen Einfluss.)

Ruhr Games 2015

Im Sommer 2015 wird das Ruhrgebiet Austragungsort eines großen europäischen Jugend-, Kultur- und Sportfestivals werden: der „Ruhr Games 2015“. Mich erinnert die Ankündigung an die großartigen  „World Games“, die im Sommer 2005 in Duisburg stattgefunden haben. Neben vielen ausgefallenen Sportarten  sind mir besonders die Abende auf der „World Games Plaza“ am Wedau Stadion in guter Erinnerung geblieben. Zur Unterhaltung der internationallen Gäste waren u. a. Duisburger Jungs aus der Nachbarschaft angetreten, die in den Zelten ihre Breakdance-Künste vorführten. Großes Kino!

Duisburger Jungs bei den World Games 2005 in Duisburg © Michael Kneffel

Duisburger Jungs bei den World Games 2005 in Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda bei der Ruhrtriennale 2013

Die Ruhrtriennale 2013 ist eröffnet, und gleich der erste Beitrag von Ryoji Ikeda hat das Zeug, zum Publikumsmagneten zu werden. In der riesigen Duisburger Kraftzentrale projiziert Ikeda unter dem Titel „test pattern“ Muster, die Barcodes ähneln, auf einen 100 Meter langen weißen Bodenbelag, den die Besucher (ohne Schuhe) zu einem rhythmischen Soundtrack begehen dürfen. Der Eintritt ist frei. Geöffnet ist täglich von 11:00 – 21:00 Uhr. 23. bis 25. August und 4. – 15. September. Nicht verpassen !!!

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

test pattern von Ryoji Ikeda, Ruhrtriennale 2013, Duisburg © Michael Kneffel

Tiger & Turtle – Magic Mountain

(c) Michael Kneffel

(c) Michael Kneffel

Als Ende letzten Jahres die Installation „Tiger & Turtle – Magic Mountain“ von Heike Mutter und Ulrich Genth  auf der Heinrich Hildebrand Höhe im Duisburger Angerpark eröffnet wurde, war der Besucheransturm so gr0ß, dass einem die Anwohner nur leid tun konnten. Wo vorher der Hund begraben schien, herrschten plötzlich Verhältnisse wie rund um die Cranger Kirmes. Inzwischen hat sich der Trubel völlig gelegt. Niemand muß mehr Schlange stehen, um diese Achterbahn für Fußgänger begehen zu dürfen. Selbst an sommerlich warmen Maiabenden finden nur wenige Menschen den Weg auf die Halde. Aber wer sich auf den Weg macht, kommt in den Genuß eines wirklich magischen Erlebnisses.

(c) Michael Kneffel

(c) Michael Kneffel

Zwar ist die Aussicht nicht so spektakulär wie von den viel höheren Halden in Essen, Bottrop oder Gelsenkirchen, dafür bietet die begehbare Installation selbst immer neue Ansichten.

Geöffnet ist die neue Landmarke am Abend offiziell bis 21:00 Uhr. Aber damit wird es anscheinend nicht so genau genommen.  Als ich dort war, wurde sie erst eine halbe Stunde später abgeschlossen.

Weitere Fotos gibt es hier: www.michaelkneffel.de/ruhrgebiet/tiger/index.html

Eindrücke von der Loveparade in Duisburg

Mindestens 15 Menschen kamen heute gegen 17:00 Uhr bei einer Massenpanik während der Loveparade in Duisburg zu Tode. Viele andere wurden schwer verletzt. In den ersten Berichten, die ich danach im Fernsehen gesehen habe, waren schnell wieder Menschen zu sehen und zu hören, die von einer schönen, friedlichen Veranstaltung sprachen, die leider durch ein tragisches Ereignis überschattet wurde. Meine Eindrücke vor Ort waren völlig andere.

Ich hatte lange überlegt, ob ich zu dieser Veranstaltung fahren und Fotos machen sollte. Die Essener Loveparade mit ihrem die halbe Innenstadt bedeckenden Scherbenteppich, den vielen Verletzten und den zahllosen bis zum völligen Kontrollverlust Besoffenen und Bedröhnten ist mir noch in schlechter Erinnerung und die Vorstellung, dass die Veranstaltung in Duisburg auf einem abgehängten und abgesperrten Schotterplatz stattfinden sollte, hat mich auch nicht gerade angemacht. Am Ende habe ich mich aber doch durchgerungen und bin am frühen Nachmittag mit dem Zug von Essen nach Duisburg gefahren. Die Stimmung im Waggon wurde bestimmt von rauchenden, grölenden und massenhaft Alkohol konsumierenden Menschen in verschiedenen Gruppen, die den Wagen in Duisburg völlig verdreckt verließen. Einigen wenigen schien das Benehmen ihrer Kumpel peinlich zu sein, die meisten anderen standen aber auf dem Standpunkt, heute ist Loveparade, da ist alles erlaubt, und sagten das auch laut und deutlich.

massenhaft leere Flaschen auf der Straße (c) M. Kneffel

Vor dem Duisburger Hauptbahnhof fielen mir zuerst die vielen leeren Bier- und Schnapsflaschen auf, die überall herumlagen, danach die riesige Zahl von Polizisten, Ordnern, Feuerwehrmännern, Helfern, Sanitätern usw. Trotzdem drängte sich nicht gerade der Eindruck guter Organisation auf.  Wegweiser zum Gelände der Loveparade waren schon kurz hinter dem Bahnhof nicht mehr zu finden, an diversen Absperrungen wurden zwar die Taschen nach Glasflaschen untersucht, aber so, dass sofort hinter jeder Absperrung wieder massenhaft Flaschen mit Hochprozentigem zu sehen waren.  Nachdem ich mich zum Gelände und zum Presseeingang durchgefragt hatte, ging ich sofort auf die Pressebrücke, um ein paar Übersichtsaufnahmen zu machen. Noch bewegten sich die Floats, nach einer Weile blieben sie allerdings stehen und machten keinen Meter mehr. Was ich auf dem öden, staubigen Gelände sah, wirkte auf mich nicht einmal wie die schlechte Karikatur der Loveparade früherer Jahre.  Ich fragte mich, warum sich Menschen das antun, und machte mich nach einer Stunde wieder auf den Rückweg.

leere Anzeigentafeln im Bahnhof (c) M. Kneffel

Mit mir strömten erstaunlich viele Menschen zurück zum Hauptbahnhof, gleichzeitig zogen noch Massen zum Gelände. Im Hauptbahnhof stellte ich dann fest, dass überhaupt keine Züge mehr fuhren. Auf Nachfrage wurde ich auf den „Busersatzverkehr“ verwiesen, den ich angeblich am anderen Ausgang des Bahnhofs finden sollte. Da war aber nichts. Stattdessen sagte mir ein Polizist, seit einigen Minuten würden wieder Züge fahren, ich sollte zurück in den Bahnhof gehen. Dort gab es wieder dieselbe Auskunft wie eine Viertelstunde vorher, und ich machte mich zusammen mit vielen anderen auf die Suche nach den Bussen.

Schlägerei hinter dem Bahnhof (c) M. Kneffel

Was ich weit hinter dem Bahnhof fand, waren drei große Gelenkbusse mit dem Ziel Krefeld, nahezu leer und unmittelbar vor der Abfahrt. Von Bussen zu anderen Städten war weit und breit nichts zu sehen. Ich umrundete den Bahnhof und betrat ihn erneut durch den Haupteingang. Nun hieß es drinnen, Züge nach Essen würden wieder fahren, „wahrscheinlich“ auf Gleis 11, 12 oder 13. Zu den Gleisen durfte ich aber nicht die Aufgänge im Bahnhof nehmen, sondern mußte wieder durch den Hinterausgang hinaus. Irgendwo in der Nähe der Busse sollte man von außen auf die Gleise gelangen können. Vor und hinter dem Bahnhof suchten Massen von Menschen nach Bussen oder Gleisen. Die Stimmung war gereizt und es lag viel Aggressivität in der Luft, die sich unmittelbar neben mir plötzlich in einer Schlägerei entlud.

Als ich endlich den Zugang zum Gleis 12 in einem Tunnel unter dem Bahnhof gefunden hatte, war die Treppe nach oben durch Polizisten abgeriegelt. Im Tunnel staute sich eine unübersehbare Menge von Menschen, die offensichtlich auch alle nur noch weg wollten. Neben mir im Gedränge kam es fast wieder zu einer Schlägerei und ich dachte, dass es übel enden würde, wenn jetzt einige Leute durchdrehten. Zum Glück wurde die Treppe bald darauf frei gegeben, und etwa 10 Minuten später lief auch tatsächlich ein Zug ein, der mich wieder nach Essen brachte.

Gedränge im Tunnel unter dem Bahnhof (c) M. Kneffel

Für mich war diese Loveparade  zu keinem Zeitpunkt eine „schöne, friedliche Veranstaltung“, sondern ein völlig ödes Event mit einer Unmenge von abgefüllten,  aggressiven und enthemmten Menschen, mitten in einem gewaltigen Organisationschaos. Vom Tod so vieler Menschen erfuhr ich erst zu Hause durch den Anruf einer Freundin. Ich war entsetzt, aber nicht wirklich überrascht. Dass die Party noch stundenlag danach weiter lief, ist für mich unfassbar und verstärkt in mir den Eindruck, dass mit dieser Veranstaltung auch einige Verantwortliche total überfordert waren.