Ein chinesischer Friedhof an der Somme

Chinesischer Friedhof in Noyelles-sur-Somme © Michael Kneffel

Chinesischer Friedhof in Noyelles-sur-Mer © Michael Kneffel

Bei der diesjährigen Ruhrtriennale hat sich William Kentridge auf grandiose Weise mit der weitgehend unbekannten Geschichte von 2 Millionen Afrikanern beschäftigt, die von den damaligen Kolonialmächten gezwungen wurden, in den Ersten Weltkrieg zu ziehen. Sein Stück The Head and the Load,  hat mich an einen chinesischen Friedhof erinnert, auf den ich vor Jahren zufällig im kleinen Dorf Noyelles-sur-Mer an der Mündung der Somme gestoßen bin. 843 chinesische Arbeiter sind hier begraben von insgesamt 150.000, die 1916 von der französichen Regierung in China angeheuert wurden. Beschäftigt wurden diese Arbeiter zunächst beim Bau der kriegswichtigen Eisenbahnlinie von Paris nach Calais und beim Transport von Munition an die Frontlinie. Schon bald wurden sie aber mehr und mehr an der Front selbst eingesetzt, beim Bau und Ausbessern von Schützengräben und beim Bergen von Leichen. Dabei gerieten sie ebenso in das feindliche Feuer wie die französischen Soldaten. Auch ihre Unterbringung und Behandlung scheint bestenfalls der von einfachen Soldaten entsprochen zu haben, obwohl sie gegen Lohn beschäftigt wurden.

Wie viele von ihnen während des Krieges und durch unmittelbare Kriegshandlungen umgekommen sind, scheint unklar zu sein. Nach China konnten anscheinend nur wenige zurückkehren.. Wie eine Informationstafel am Friedhof verrät, ist die große Mehrheit spätestens 1920 an der Spanischen Grippe verstorben.

Grabstein auf dem chinesischen Friedhof in Noyelles-sur-Somme © Michael Kneffel

Grabstein auf dem chinesischen Friedhof in Noyelles-sur-Mer © Michael Kneffel

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Ausstellungseröffnung „1914 Mitten in Europa – Die Rhein-Ruhrregion und der Erste Weltkrieg“

Ausstellung "1914 Mitten in Europa - Die Rhein-Ruhrregion und der Erste Weltkrieg" © Michael Kneffel

Ausstellung „1914 Mitten in Europa – Die Rhein-Ruhrregion und der Erste Weltkrieg“ © Michael Kneffel

2014 jährt sich der Beginn des 1. Weltkriegs zum 100. Mal. Schon vor Monaten haben die Medien ein Gedenkfeuerwerk gezündet. Seit gestern präsentieren auch das LVR-Industriemuseum und das Ruhr Museum in der ehemaligen Mischanlage der Essener Kokerei Zollverein ihre gemeinsame Ausstellung mit dem Titel „1914  Mitten in Europa – Die Rhein-Ruhrregion und der Erste Weltkrieg“. Wie bei der im Ruhrgebiet unvergessenen Ausstellung „Sonne, Mond und Sterne“ werden die Besucher durch die 150 Meter lange Standseilbahn vom vorgelagerten Wiegeturm aus auf die oberste Ebene der Mischanlage transportiert. Von dort geht es abwärts durch die drei großen Themenbereiche: Vorabend des Krieges, Krieg und Nachkriegszeit. Im Rahmen einer Pressevorbesichtigung und der abendlichen Eröffnungsveranstaltung hatte ich gleich zwei Mal an einem Tag die Möglichkeit, die Ausstellung zu durchlaufen und Fotos zu machen. Aber auch diese beiden Durchgänge haben längst nicht ausgereicht, alle 2500 Exponate zu betrachten und alle Unterthemen aufzunehmen.

Ausstellung "1914 Mitten in Europa - Die Rhein-Ruhrregion und der Erste Weltkrieg" © Michael Kneffel

Ausstellung „1914 Mitten in Europa – Die Rhein-Ruhrregion und der Erste Weltkrieg“ © Michael Kneffel

Utopien, Aufbruchstimmung, Wohlstand und Fortschritt, neue Verkehrsmittel, die Gesellschaft des Kaiserreichs mit ihren neuen Konsum- und Freizeitmöglichkeiten werden für die Vorkriegszeit ebenso beleuchtet wie die weltweiten Verflechtungen der großen Konzerne und Kartelle, Kunst und Wissenschaft im Industrieraum und die erstarkende Arbeiterbewegung.

Ausstellung "1914 Mitten in Europa - Die Rhein-Ruhrregion und der Erste Weltkrieg" © Michael Kneffel

Ausstellung „1914 Mitten in Europa – Die Rhein-Ruhrregion und der Erste Weltkrieg“ © Michael Kneffel

Ausstellung "1914 Mitten in Europa - Die Rhein-Ruhrregion und der Erste Weltkrieg" © Michael Kneffel

Ausstellung „1914 Mitten in Europa – Die Rhein-Ruhrregion und der Erste Weltkrieg“ © Michael Kneffel

Auf  der spektakulären mittleren Bunkerebene geht es um das Ruhrgebiet als Waffenschmiede des Deutschen Reiches, um die die Industrialisierung des Krieges, die Fronterfahrungen von Soldaten, aber auch um Propaganda, Kriegsverbrechen und Heldenverehrung. Auf der untersten Ebene werden die Kriegsfolgen und Nachkriegswirren dargestellt, die Revolution, der Ruhrkampf. Es folgt ein buntes Panorama der Zwischenkriegszeit an Rhein und Ruhr.

Ausstellung "1914 Mitten in Europa - Die Rhein-Ruhrregion und der Erste Weltkrieg" © Michael Kneffel

Ausstellung „1914 Mitten in Europa – Die Rhein-Ruhrregion und der Erste Weltkrieg“ © Michael Kneffel

Die sehr komplexe Ausstellung bietet dem Besucher eine enorme Fülle an Themen und Details. Entsprechend stark fordert sie aber auch seine Aufnahmefähigkeit. Zum Glück gibt es einen hervorragenden Katalog, der mir sehr geholfen hat, den Überblick zu wahren und die Zusammenhänge zu verstehen.

Verabschiedet werden die Besucher von großformatigen Fotos, auf denen sich die Gewalt und Zerstörung im Nationalsozialismus und im 2. Weltkrieg ankündigen.

Ausstellung "1914 Mitten in Europa - Die Rhein-Ruhrregion und der Erste Weltkrieg" © Michael Kneffel

Ausstellung „1914 Mitten in Europa – Die Rhein-Ruhrregion und der Erste Weltkrieg“ © Michael Kneffel