Nichts ist vergessen – der D-Day 1944 in der Normandie

Vor vierundzwanzig Jahren verbrachten wir unseren Sommerurlaub mit Zelt und Fahrrad in der Normandie. Von Jumièges an der Seine radelten wir entlang der Küste bis nach Barneville-Carteret auf der Halbinsel Cotentin und von dort durch das Landesinnere zurück zu unserem Ausgangspunkt. Wir hatten eine großartige Zeit in herrlichen Landschaften und an malerischen Orten. Immer wieder trafen wir allerdings auch auf Soldatenfriedhöfe, auf Gedenktafeln für von Deutschen erschossene Zivilisten und auf viele Hinterlassenschaften des 2. Weltkriegs. Besonders an den Küstenabschnitten, wo 1944 die Alliierten gelandet waren, um Europa von Nazi-Deutschland zu befreien, und wo viele regionale, oftmals improvisiert wirkende Kriegsmuseen große Scharen von Besuchern anzogen, fühlten wir uns als Deutsche manchmal fehl am Platze und vermieden es zuweilen sogar, deutsch zu reden. Zwischen all den Franzosen, Engländern, Niederländern und Touristen aus anderen Ländern, die ihre begeisterten Kinder auf alte Panzer und Geschütze klettern ließen, machten sich Gefühle von Scham und Schuld bemerkbar, die wir so kaum kannten.

Grab auf dem kanadischen Soldatenfriedhof in Beny-sur-Mer © Michael Kneffel

Grab auf dem kanadischen Soldatenfriedhof in Beny-sur-Mer © Michael Kneffel

Fast schon am Ende unseres Urlaubs betraten wir zum ersten Mal einen der vielen Soldatenfriedhöfe im Hinterland. Es war schon spät am Tag, und wir waren allein auf der überaus gepflegten Anlage mit den hunderten von weißen Grabsteinen. Bald hinter dem Eingang stand ein kleines Haus, in dem ein gebundenes Buch auslag, in das sich Besucher eintragen konnten. Es war fast bis zu den letzten Seiten vollgeschrieben. Angesichts des beachtlichen Umfangs des Buches waren wir sicher, dass es schon seit langer Zeit dort liegen musste. Als wir zurückblätterten, stellten wir jedoch fest, dass die ersten Eintragungen aus demselben Jahr stammten. Innerhalb eines halben Jahres hatten sich hier tausende von Besuchern eingetragen, von denen sehr viele aus Übersee stammten. Wir lasen die Namen von Menschen aus Kanada, Neuseeland, Australien und vielen anderen Nationen aus der ganzen Welt. Die Erkenntnis, dass fast fünfzig Jahre nach dem 2. Weltkrieg immer noch so viele Menschen enorme Entfernungen zurücklegten, um allein diesen Friedhof zu besuchen, traf uns unerwartet und heftig. Uns wurde schlagartig bewusst, wie lebendig die Erinnerung an die Opfer des von Deutschen entfesselten Krieges in weiten Teilen der Welt noch immer war, in wie vielen Familien noch immer an Angehörige gedacht wurde, die hier ihr Leben gelassen haben. Das war eine andere Erinnerungskultur als wir sie aus Deutschland kannten: pflichtgemäßes Gedenken nach Kalender in offiziellen Feierstunden, aber kaum irgendwo persönliches Erinnern oder Reden über die Kriegsjahre im Familienkreis. Jedenfalls nicht in unseren Familien.

In knapp einem Monat, am 6. Juni, dem sogenannten D-Day, wird sich die Landung der Alliierten in der Normandie zum 70. Mal jähren. An den zentralen Jubiläumsfeierlichkeiten in Ouistreham werden der amerikanische Präsident Obama, die englische Königin und zahlreiche andere Staatsoberhäupter teilnehmen. Auch die deutsche Bundeskanzlerin Merkel ist eingeladen. Seit Monaten laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. An der Küste und weit im Hinterland sind die Hotels, Ferienhäuser, Gästezimmer und Campingplätze für die ersten Juni-Tage ausgebucht.

Schon lange wollte ich noch einmal die Landungsküste der Normandie bereisen und den Soldatenfriedhof suchen, der mich 1990 mehr als viele Bücher und Filme hat verstehen lassen, welche Wunden ein Krieg reißt und wie langsam sie verheilen. Vor einigen Tagen habe ich mich aufgemacht.

verkümmerter Baum über dem Omaha Beach © Michael Kneffelaum über dem Omaha

verkümmerter Baum über dem Omaha Beach © Michael Kneffel

Meine Reise in die Vergangenheit beginnt wie der amerikanische Spielfilm „Der Soldat James Ryan“ auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof von Collevillle-sur-Mer. Ursprünglich wollte ich in Ouistreham beginnen und die gesamte Landungsküste bis Sainte-Mère-Église abfahren. Aber kurz vor der Abfahrt hatte ich das Gefühl, dass das Erinnern Ruhe und Stille benötigt und ich wenigstens am Anfang die größeren Orte meiden sollte. Als ich am frühen Abend Colleville-sur- Mer erreiche, ist der „Normandy American Cemetery“ bereits geschlossen. Ich lasse das Auto am Ortsrand stehen und laufe hinab zum Strand, dem berühmten Landungsabschnitt „Omaha Beach“. Außer dem Wind, dem Meer und einigen Singvögeln ist nichts zu hören. Weit in der Ferne sehe ich Menschen am Strand. Nach über acht Stunden Autofahrt ist die Ruhe wohltuend. Ich steige vom Strand an einem Ehrenmal vorbei zum Parkplatz des Friedhofs hinauf, auf dem nur noch einige Wohnmobile stehen, und laufe zurück zum Ort. Gegenüber dem vor einem Jahr eröffneten privaten „Overlord Museum“ hat ein kleines Hotel geöffnet. Der kleine Ort selbst mit seinen grauen Natursteinmauern wirkt nahezu ausgestorben. Großformatige Fotos zeigen die Zerstörungen im Jahr 1944. Bei Einbruch der Dunkelheit tritt eine Frau aus einem Haus auf die Straße und ruft ihre Kinder nach Hause. Ich beschließe, im etwa sieben Kilometer entfernten Port-en-Bessin-Huppain auf Quartier- und Nahrungssuche zu gehen.

die Kirche von Colleville-sur-Mer 2014 und 1944 © Michael Kneffel

die Kirche von Colleville-sur-Mer 2014 und 1944 © Michael Kneffel

Nach meinem Frühstück am nächsten Morgen im Café du Port unternehme ich einen kurzen Rundgang durch den Fischerei-Hafen. Der ganze Ort ist bereits auf das anstehende Jubiläum eingestimmt. Kein Schaufenster ohne D-Day-Dekoration. Kurz nach neun Uhr erreiche ich wieder den Friedhof in Colleville-sur-Mer und nach dem Passieren einer Sicherheitsschleuse mit Gepäckkontrolle darf ich das moderne Besucherzentrum betreten. Auf zwei Etagen wird hier durch Exponate, Informationstafeln und Filme über die Kämpfe und Opfer im Sommer 1944 informiert. Das hat Stil und unterscheidet sich stark von vielen privaten Museen in der Region.

im Besucherzenttrum des Normandy American Cemetery in Colleville-sur-Mer © Michael Kneffel

im Besucherzentrum des Normandy American Cemetery in Colleville-sur-Mer © Michael Kneffel

Über einen Weg mit Blick auf den Strand erreiche ich die riesigen Gräberfelder für 9387 amerikanische Soldaten und das Mahnmal für 1557 Vermisste. Noch sind erst wenige Besucher auf dem Gelände, einige Paare und Familien. Manche werden anscheinend von persönlichen Führern begleitet. In der Nacht und am Morgen hatte es geregnet, aber jetzt reißen ab und zu die Wolken auf und Sonne fällt auf gepflegte Wiesen, akkurat geschnittene Bäume und makellose schneeweiße Kreuze aus einem marmorähnlichen Material.

Gräber auf dem Normandy American Cemetery in Colleville-sur-Mer © Michael Kneffel

Gräber auf dem Normandy American Cemetery in Colleville-sur-Mer © Michael Kneffel

Ich betrachte das Mahnmal und besuche die kleine Kapelle in der Mitte des Friedhofs, während immer mehr Besucher eintreffen, Menschen jeden Alters, große Gruppen, die mit Bussen angereist sind, Schulklassen, amerikanische und französische Soldaten in Uniform. Einige nehmen den Weg zum Omaha Beach hinunter, wo sich die Reste eines Landungsbootes in Rost auflösen. Als ich den Friedhof gegen Mittag verlasse, hat sich vor der Sicherheitsschleuse des Besucherzentrums eine Warteschlange gebildet, die Parkplätze für PKW und Busse sind komplett gefüllt. Nach meiner Schätzung haben allein an diesem Diensttagvormittag im Mai mehrere hundert Menschen den Friedhof besucht, mindestens die Hälfte von ihnen aus den USA.

Reste eine Landungsbootes am Omaha Beach © Michael Kneffel

Reste eines Landungsbootes am Omaha Beach unterhalb des Normandy American Cemetery © Michael Kneffel

Gefüllt mit amerikanischen Touristen haben sich auch die Restaurants in Port-en-Bessin-Huppain, wo ich am Hafen zu Mittag esse. Die Lokale haben sich auf ihre ausländischen Gäste eingestellt. Neben traditionellen französischen Gerichten finden sich auch Fish and Chips auf den Speisekarten. Es hat den Anschein, als würden die Besucher der Landungsstrände, Friedhöfe und Mahnmale der Region eine fast ganzjährige Saison bescheren. In diesem Jubiläumsjahr dürfte die Zahl der Besucher allerdings noch einmal gewaltig steigen.

Am Nachmittag fahre ich etwa elf Kilometer weiter nach Arromanches-les-Bains, das durch den künstlichen Hafen mit dem Namen „Mulberry B“ berühmt geworden ist, den das englische Militär unmittelbar nach dem D-Day angelegt hat. 220.000 Soldaten und riesige Mengen an Fahrzeugen und Material wurden hier bis Oktober 1944 an Land gebracht. Etliche Pontons der Hafenanlage sind noch am Strand und weiter draußen im Meer zu sehen. Ich erreiche den Ort bei strömendem Regen. Trotz des schlechten Wetters ist der Besucherandrang im Ort beachtlich.

ein englischer Lehrer mit seiner Klasse in Arromanches-les-Bains © Michael Kneffel

ein englischer Lehrer mit seiner Klasse in Arromanches-les-Bains © Michael Kneffel

Im Mittelpunkt stehen das Museum oberhalb des Strandes, etliche alte Geschütze und Panzer im Stadtgebiet, die Reste des künstlichen Hafens und nicht zuletzt mehrere Geschäfte mit allen möglichen Militaria, von der Gewehrkugel am Goldkettchen bis zur alten Thompson-Maschinenpistole für 270 Euro. Das Kinderkarussell vor dem Museum verstärkt den Eindruck eines Rummelplatzes. Wie viele Touristenhochburgen entwickelt auch Arromanches seinen Charme erst am Abend nach Abreise der Tagesgäste. Bei Ebbe und wieder trockenem Wetter unternehme ich noch einen langen Spaziergang am Strand und sehe mir einige der verfallenden Pontons an. Später komme ich in meiner Hotelbar mit älteren Engländern ins Gespräch, die auf den Spuren ihrer Väter die Küste bereisen. Dazu laufen im Hintergrund schöne alte Guinguette-Chansons.

Ponton des Hafens Mulberry B in Arromanches-les-Bains © Michael Kneffel

Ponton 449 des Hafens Mulberry B in Arromanches-les-Bains © Michael Kneffel

Von meinem Hotelfenster kann ich am nächsten Morgen beobachten, wie kleine Motorboote zwischen dem Strand und den weiter draußen liegenden Hafenelementen hin und her pendeln. Wahrscheinlich leeren Fischer ihre für Schalentiere ausgelegten Reusen. Es regnet gerade nicht, aber am Horizont ziehen bereits wieder tiefdunkle Wolken auf, und ich überlege lange, ob ich mir wirklich noch die gesamte Landungsküste bis Sainte-Mére-Èglise ansehen oder nur noch gezielt nach dem Soldatenfriedhof suchen soll, der mich vor vierundzwanzig Jahren so beeindruckt hat. Nach meinen Recherchen im Netz könnte es der kanadische Friedhof in Beny-sur Mer gewesen sein, der keine zwanzig Kilometer entfernt ist. Die Wettervorhersage ist alles andere als verlockend, und so entschließe ich mich, meine Reise in die Vergangenheit abzukürzen und direkt dorthin zu fahren. Noch vor neun Uhr erreiche ich den Parkplatz des Friedhofs, der etwa drei Kilometer außerhalb des Ortes liegt. 2013 Soldaten wurden hier bestattet. Die meisten von ihnen starben am ersten Tag der Invasion oder kurz darauf beim Vorstoß in Richtung Caen. Der Zugang zum Friedhof sieht anders aus, als ich ihn in Erinnerung behalten hatte. Gerade als ich aus dem Auto steigen will, öffnet der Himmel alle Schleusen und enorme Regenmengen prasseln herunter. Zwei Besucher lassen sich vom Wolkenbruch nicht abhalten und betreten den Friedhof. Wenig später folgen ihnen zwei weitere Personen. Ich ziehe alle Jacken an, die ich dabei habe, nehme meinen Schirm und mache mich ebenfalls auf den Weg. Hier gibt es keine Sicherheitsschleuse. Alles ist Tag und Nacht frei zugänglich.

der kanadische Soldatenfriedhof in Beny-sur-Mer © Michael Kneffel

der kanadische Soldatenfriedhof in Beny-sur-Mer © Michael Kneffel

Die Torhäuser am Eingang kommen mir bekannt vor. Im rechten treffe ich auf die beiden zuletzt gesehenen Besucher. Der ältere von beiden stellt sich als Engländer vor. Er begleitet seinen kanadischen Verwandten, der nach Europa gekommen war, um das Grab seines Großvaters zu besuchen, der im ersten Weltkrieg bei Passchendaele in Belgien gefallen ist. Gemeinsam haben beide anschließend noch weitere Friedhöfe besucht, unter anderem den deutschen Soldatenfriedhof in flandrischen Langemarck. Nun stehen wir zusammen auf einem kanadischen Friedhof in Frankreich, reden über den Wahnsinn zurückliegender Kriege und die aktuellen Vorgänge in der Ukraine. Als hätten die Menschen nichts dazugelernt, sagen beide, bevor sie sich verabschieden. Der Regen hört so schlagartig auf, wie er begonnen hat. Kaum bricht die Sonne zwischen den Wolken hervor setzten zwei Gärtner ihre Rasenmäher in Betrieb, und immer neue Besucher erscheinen. Ich bin mir inzwischen sicher, dass ich den Friedhof von 1990 wiedergefunden habe.

Besucher auf dem Weg zum kanadischen Soldatenfriedhof in Beny-sur-Mer © Michael Kneffel

Besucher auf dem Weg zum kanadischen Soldatenfriedhof in Beny-sur-Mer © Michael Kneffel

Das dicke gebundene Besucherbuch von damals ist allerdings einem dünnen Ringbuch gewichen, dessen vollgeschriebene Blätter schon nach kurzer Zeit entnommen zu werden scheinen. Die ältesten Eintragungen sind noch keine zwei Wochen alt. Seitdem wurden etwa zwölf Blätter beschrieben, meist von Kanadiern und Franzosen. Eine Französin jenseits der Sechzig, die von einem Herrn in den Achtzigern begleitet wird, spricht mich an. Beide suchen das Grab eines Mannes aus dem kanadischen Zweig ihrer Familie und halten mich offensichtlich für einen Mitarbeiter der Common Wealth War Graves Commission, die für die Unterhaltung und Pflege der Anlage zuständig ist. Mit der Hilfe des ausliegenden Registers finden wir sehr schnell das Grab. Ich begleite die beiden dorthin, und unterwegs fällt mir auf, dass auf vielen Gräbern ganz unterschiedliche Blumen blühen. Außer rotem Mohn und Tulpen sehe ich vor allem Lilien neben den Kreuzen. Dieser Blumenschmuck geht deutlich über eine zentral organisierte Kriegsgräberpflege hinaus. Hier scheinen sich regelmäßig viele Menschen zusätzlich und individuell um die Gräber zu kümmern.

Besucherbuch auf dem kanadischen Soldatenfriedhof in Beny-sur-Mer © Michael Kneffel

Besucherbuch auf dem kanadischen Soldatenfriedhof in Beny-sur-Mer © Michael Kneffel

Als ich den Friedhof gegen Mittag verlasse und den Heimweg antrete, habe ich viele andere Besucher gesehen. In das Besucherbuch hat sich von ihnen niemand eingetragen. Das scheinen nur wenige zu machen. Landsleute habe ich in den zurückliegenden drei Tagen übrigens keine getroffen.

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Tanz die Sardine! – Karnevalsüberraschungen in Dünkirchen

Karneval in Dünkirchen © Michael Kneffel

Karneval in Dünkirchen © Michael Kneffel

Wer bei „Karneval“ und „Strand“ nur an Rio denkt, kennt Dünkirchen nicht. Eine Stadt voller Überraschungen. Jedenfalls für uns, die wir nach einem interessanten Samstag im belgischen Ypern das Wochenende an der Küste Nordfrankreichs ausklingen lassen wollten. Erste Überraschung – für die Dünkirchen natürlich nicht verantwortlich war: 9. März und bei strahlendem Sonnenschein Temperaturen wie im Sommer. Über 20 Grad! Zweite Überraschung: Das neue Museum, das FRAC Nord-Pas de Calais, das uns angelockt hatte, öffnete am Sonntag erst am Nachmittag, um 14 Uhr.

das neue Museum FRAC Nord-Pas de Calais im Hafen von Dünkirchen Karneval in Dünkirchen © Michael Kneffel

das neue Museum FRAC Nord-Pas de Calais im Hafen von Dünkirchen © Michael Kneffel

Als wir vormittags am Museum ankamen, war dort und in der gesamten Hafengegend kaum ein Mensch zu sehen. Obwohl das neue Museum für zeitgenössische Kunst schon im November letzten Jahres eröffnet worden war, wirkte es noch irgendwie unfertig, mitten in einem großen städtebaulichen Entwicklungsgebiet. Große und offensichtlich sehr interessante Dinge waren hier im Gange, keine Frage – nur nicht am Sonntagvormittag.

Bis 14 Uhr war noch reichlich Zeit, also machten wir uns auf, zurück in die Innenstadt. Dritte Überraschung: Auch die Innenstadt wirkte nahezu ausgestorben. Nur geglegentlich sahen wir irritierender Weise Menschen in Karnevalskostümen Richtung Strandpromenade laufen. Eine halbe Woche nach Aschermittwoch! Sehr katholisch wirkte Dünkirchen nicht auf uns. Oder stimmt es tatsächlich, dass die Ch´tis im Norden Frankreichs in allem etwas zurück hängen?

Museumsschiffe im Zentrum der Stadt © Michael Kneffel

Museumsschiffe im menschenleeren Zentrum der Stadt © Michael Kneffel

Nach einem kleinen Rundgang um den Innenhafen wurden wir doch neugierig und steuerten ebenfalls auf die Strandpromenade der Stadt im Stadtteil Malo zu. Vierte Überraschung unterwegs: In aller Ruhe schwamm ein Seehund vor einer Rampe im Hafen und wartete anscheinend darauf, dass sich die wenigen Schaulustigen wieder aus dem Staub machen.

Seehund im Innenhafen Dünkirchens  © Michael Kneffel

Seehund im Innenhafen Dünkirchens © Michael Kneffel

Gelegentlich vorbeiziehende Einheimische in ihren seltsamen Kostümen ignorierten das Tier völlig. Der Seehund schien hier nicht zum ersten Mal Siesta zu halten. Je näher wir dem Stadtteil Malo kamen, desto dichter wurde der Verkehr. Jeder freie Quadratmeter war zugeparkt und immer mehr Menschen strebten dem Strand zu. Die allermeisten von ihnen äußerst gut gelaunt und ziemlich schräg kostümiert. Unrasierte, heftig geschminkte Männer in schrillen Frauenkleidern dominierten die Szene.

wilde Kerle beim Karneval in Dünkirchen © Michael Kneffel

wilde Kerle beim Karneval in Dünkirchen © Michael Kneffel

Verspäteter Karneval oder vorgezogener Christopher Street Day? Daneben viele schwarze Männer in Baströckchen mit langen Fasanenfedern am Kopf. Political correct sah das nicht aus. Schien aber niemanden zu stören. Der Geräuschpegel stieg rapide mit der Nähe zum Wasser. Eine Musik zwischen Samba, Balkan-Brass und niederländischen Fan-Gesängen beim Eisschnelllauf.

schwarze Männer beim Karneval in Dünkirchen © Michael Kneffel

schwarze Männer beim Karneval in Dünkirchen © Michael Kneffel

In den Brasserien und Bars an der Promenade war kein Stuhl mehr frei. Ausgelassene Stimmung und ohrenbetäubender Lärm drinnen.

gute Stimmung und Höllenlärm in den Brasserien © Michael Kneffel

gute Stimmung und Höllenlärm in den Brasserien © Michael Kneffel

Vor den Restaurants elaborierte Choreografien und eindrucksvolle Sprechgesänge. Einer Gruppe war es besonders wichtig, möglichst x-beinig mit dem Hintern zu wackeln. Danach das Kommando: Tanz die Sardine! Pogo-ähnlich sprang und tanzte die Gruppe auf möglichst engem Raum vor den Restaurantfenstern herum. Hier waren keine Anfänger am Werk!

erst mit dem Hintern wackeln, dann der Sardinen-Tanz © Michael Kneffel

erst mit dem Hintern wackeln, dann der Sardinen-Tanz © Michael Kneffel

So derb und wild viele Gestalten auch aussahen, so fröhlich und friedlich war die Veranstaltung. Alle schienen viel Spaß an sich und an den anderen zu haben. Wer eine Pause brauchte, ging an den Strand und machte es sich im Sand bequem.

Karneval am Strand in Dünkirchen © Michael Kneffel

Karneval am Strand in Dünkirchen © Michael Kneffel

Wollten wir nicht ins Museum? Welches Museum? Vielleicht beim nächsten Mal. Denn das war garantiert nicht unser letzter Besuch in Dünkirchen.

Karneval am Strand in Dünkirchen © Michael Kneffel

Karneval am Strand in Dünkirchen © Michael Kneffel

Als wir am Nachmittag aufbrachen, hatte der offizielle Festumzug noch nicht einmal begonnen. Was wir erlebt haben, war erst das Aufwärmen.

wilde Kerle beim Karneval in Dünkirchen © Michael Kneffel

wilde Kerle beim Karneval in Dünkirchen © Michael Kneffel

 

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Verschwommene Erinnerungen ans Finistère

Ein zufälliges Gespräch gestern über die Bretagne, der Beginn der Messe BOOT in Düsseldorf heute – aus der Erinnerung tauchen verschwommene Bilder auf. Es wird Zeit, mal wieder ans Ende der Welt zu fahren.

Segelschiffe im Hafen von Douarnenez © Michael Kneffel

Segelschiffe im Hafen von Douarnenez © Michael Kneffel

Frauen in bretonischer Tracht auf einem Fest in Beuzec-Cap-Sizun © Michael Kneffel

Frauen in bretonischer Tracht auf einem Fest in Beuzec-Cap-Sizun © Michael Kneffel

Haus am Hafen in Audierne © Michael Kneffel

Haus am Hafen in Audierne © Michael Kneffel

Tänzerinnen und Tänzer auf einem Fest in Beuzec-Cap-Sizun © Michael Kneffel

Tänzerinnen und Tänzer auf einem Fest in Beuzec-Cap-Sizun © Michael Kneffel

altes Segelboot in Douarnenez © Michael Kneffel

altes Segelboot in Douarnenez © Michael Kneffel

Sommerurlaub auf Quiberon 2 – Mitten im lebendigen Hauptort der Halbinsel

alter Hausgiebel in Quiberon © Michael Kneffel

alter Hausgiebel in Quiberon © Michael Kneffel

Was uns ursprünglich auf die Idee gebracht hat, unseren diesjährigen Sommerurlaub im Ort Quiberon und auf der gleichnamigen Halbinsel zu verbringen, können wir gar nicht mehr sagen. Vielleicht war es die überraschende Begegnung mit einem Hermelin, dem Wappentier des Ortes und der gesamten Bretagne, das plötzlich über eine Hafenmauer lief, als wir Quiberon vor vielen Jahren einen Kurzbesuch abstatteten. Damals trauten wir unseren Augen nicht, und erst als wir später noch einmal einen dieser kleinen Marder an einem gut besuchten Strand in der Nähe von Concarneau sahen, waren  wir bereit, auch die erste Begegnung für real zu halten.

Um es gleich vorweg zu sagen, die Entscheidung für unseren diesjährigen Urlaubsort haben wir in keiner Sekunde bereut. Schon unsere Unterkunft, die Ferienresidenz „Maeva“, ein Appartementhaus mit 66 Zimmern, erwies sich als Glücksfall. Nicht unbedingt wegen der Ausstattung, sondern vor allem wegen der Lage – in unmittelbarer Nähe des alten Ortskerns bei der Kirche und trotzdem sehr ruhig. Bäcker, Cafés, Restaurants, Fisch- und Lebensmittelgeschäfte, ein guter Traiteur…  alles innerhalb von drei Minuten zu Fuß zu erreichen. Der große Wochenmarkt und ein Supermarkt gleich um die Ecke. Bekleidungsgeschäfte mit allem, was der Sommerurlauber in der Bretagne und / oder in dieser Saison so tragen soll, kaum weiter entfernt.

Blick auf den Hauptstrand von Quiberon am frühen Abend © Michael Kneffel

Blick auf den Hauptstrand von Quiberon am frühen Abend © Michael Kneffel

Bis zum beliebten Hauptstrand des Ortes und zur rummeligen Promenade waren etwa 600 Meter zu laufen. Dort geht es ums Sehen und Gesehen-Werden. Die ersten 100 Meter des Strandes waren fest in der Hand von Teenies und denen, die gern noch welche wären. Angesagte Strandmode, coole Sonnenbrillen und braune Haut so dicht an dicht wie die Sardinen in den Dosen, für die Quiberon berühmt ist. Anschließend Strandbars für die älteren Semester mit den größeren Portemonnaies und nach zwei-, dreihundert Metern endlich der Strandabschnitt für diejenigen, die vor allem baden wollen. Unsere Lieblingsstrände lagen noch etwas weiter entfernt, aber immer  im Umkreis von zwei Kilometern – mit unseren Fahrrädern überhaupt kein Problem. Am besten hat uns der kleine, gepflegte Strand von Porigo unmittelbar neben dem Hafen Haliguen gefallen.

familiäre Atmosphäre am Strand von Porigo  © Michael Kneffel

familiäre Atmosphäre am Strand von Porigo © Michael Kneffel

Wer keine eigenen Fahrräder dabei hat, kann in mehreren Fahrradgeschäften welche ausleihen. Wir empfehlen dafür das kleinste Fahrradgeschäft im Ort, direkt neben der großen Post. Gleich am ersten Tag hat uns hier ein  freundlicher älterer Herr den Schleichplatten an einem unserer Falträder  repariert und Tage später eine gebrochene Speiche. Das geschah jeweils bei bester Laune und dauerte nicht länger, als wir brauchten, um in der benachbarten Bar „Le Galopin“ einen Café zu trinken. Die unspektakuläre Bar hat uns vom ersten Moment an gefallen. Hier verbringen viele Geschäftsleute aus der Nachbarschaft ihre Mittagspause – immer ein gutes Zeichen. Als dann noch die Chefin mit größter Selbstverständlichkeit einen Hund von beachtlichen Ausmaßen und entsprechendem Appetit adoptierte und aufpäppelte, der sich herrenlos die Bar als Schlafplatz ausgesucht hatte, war für uns die Sache endgültig klar. Von der Bar-Terrasse aus hatten wir einen guten Blick auf das wuselige Treiben im oberen Teil der Stadt und nicht zuletzt auf die Massen von Urlaubern, die mit ihren Rollkoffern und anderem  Gepäck vom Bahnhof im oberen Teil des Ortes zu den Fähren im Hafen oder umgekehrt eilten. Mehrmals am Tag werden von Quiberon aus die größte bretonische Insel Belle-Ile en Mer, und ihre wesentliche kleineren Nachbarinseln Houat und Hoedic angefahren.

Le Galopin im oberen Teil der Stadt  © Michael Kneffel

Le Galopin im oberen Teil der Stadt © Michael Kneffel

Direkt neben dem „Galopin“ warb ein Patissier, Chocolatier und Glacier mit seiner offiziellen Auszeichnung für die besten Macarons Frankreichs. Wir zogen diesem  schicken Laden allerdings die gegenüber gelegene, sehr bodenständige Bäckerei und Patisserie „3 Marches“ vor und wurden für diese Entscheidung durch sensationelle Torten und Kuchen belohnt. Wenn wir danach noch dazu in der Lage waren, sind wir zum Essen am liebsten in eines der Restaurants am Fischereihafen Port Maria gegangen. Wenige hundert Meter von der belebten Strandpromenade mit ihren rappelvollen Restaurants entfernt wird hier die eindeutig interessantere Küche geboten, zu Preisen, die im selben Maße abnehmen, wie man sich vom Strand entfernt. Relativ spät erst haben wir dann noch das „Tourbillon“ entdeckt, ein sehr stilsicher eingerichtetes Bistrot à Vin an der Place Hoche, etwa hundert Meter von der Strandpromenade entfernt.  Hier kehren vor allem Einheimische ein und genießen die schöne Weinauswahl und viele Kleinigkeiten zum Essen. Sardinen und Räucherfisch-Spezialitäten  aus  ortsansässigen Betrieben stehen immer auf der Karte, dazu kommen nicht selten Tagesgerichte mit Zutaten aus biologischem Anbau.

auch der Lieferwagen des Tourbillon hat Stil  © Michael Kneffel

auch der Lieferwagen des Tourbillon hat Stil © Michael Kneffel

In der Aufzählung unserer Lieblingsadressen in Quiberon darf das „Maison Bleue“ auf keinen Fall fehlen. Wie schon erwähnt, herrscht im Ort kein Mangel an Geschäften aller Preisklassen  mit typisch bretonischen Kleidungstücken, Lebensmitteln, Süßigkeiten und Mitbringseln. Das Angebot im blauen Haus am Fischereihafen bewegt sich allerdings auf einem anderen Niveau. Die Besitzerin Anne Padovani versteht sich als Bewahrerin des kulturellen Erbes ihres Landes und präsentiert  im  Verbund mit drei  anderen bretonischen Restauratorinnen eine geschmackvolle  Auswahl an  Gemälden, Keramiken, Skulpturen, Kleinmöbeln und Stoffen.

Quiberon ist ein sehr lebendiges Städtchen mit einem vielfältigen Angebot, in dem man wahrscheinlich auch noch weit außerhalb der Feriensaison alles vorfindet, was man für einen angenehmen Aufenthalt an der Küste benötigt. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt.

Küste und Meer zwischen Granville und Avranches

Küste bei Granville am Abend © Michael Kneffel

Küste bei Granville am Abend © Michael Kneffel

So viele Fotos, die im Urlaub entstanden sind, verschwinden danach unverdient irgendwo in den Tiefen des Computers. Erst recht Aufnahmen, die irgendwo auf der Hin- oder Rückfahrt aufgenommen wurden und in unserem Kopf gar nicht richtig mit dem Urlaub verbunden sind. Während ich gerade aktuelle Fotos von der Ruhrtriennale bearbeite, bin ich zufällig wieder auf diese beiden gestoßen, die ich in einer kurzen Pause auf dem Weg in die Bretagne gemacht habe. Wir sind dabei nicht etwa am Mittelmeer vorbeigekommen, sondern haben am frühen Abend zwischen Granville und Avranche in der Normandie Halt gemacht und auf die Bucht des Mont Saint Michel geguckt.

in der Bucht des Mont Saint Michel  © Michael Kneffel

in der Bucht des Mont Saint Michel © Michael Kneffel

Mein Foto der Woche – Junges Paar in Pont Croix

junges Paar in Pont Croix © Michael Kneffel

junges Paar in Pont Croix © Michael Kneffel

Die Erinnerung an den Sommerurlaub auf Quiberon ist noch sehr frisch. Deshalb stammt auch mein Foto dieser Woche aus der Bretagne, allerdings aus dem Jahr 2001. Es zeigt ein junges Paar während eines Festumzugs in Pont Croix.

Sind Möwen religiös?

Möwe über Quiberon © Michael Kneffel

Möwe über Quiberon © Michael Kneffel

Auf dem Dach des Nachbarhauses bietet sich uns ein seltsames Schauspiel. Drei Möwen – um genau zu sein: Silbermöwen – haben damit begonnen, ein Antennenkabel genauestens zu inspizieren. Erst schreiten sie es langsam ab, was nicht einer gewissen Komik entbehrt, weil sich Möwen zu Fuß auf abfallenden Dächern als ziemlich unsicher erweisen. Danach heben sie das Kabel immer wieder an verschiedenen Stellen bedächtig hoch, halten es eine Weile prüfend im Schnabel, um es kurz darauf wieder fallen zu lassen. Das alles geschieht über einen längeren Zeitraum mit großem, fast schon feierlichem Ernst und – ganz im Unterschied zu ihren üblichen Gewohnheiten – nahezu in Stille.  Nur selten fällt ein nachdenkliches „Gack, Gack“.

Geräuschlosigkeit ist wirklich nicht die hervorstechende Eigenschaft von Silbermöwen, wie wir seit dem ersten Urlaubstag wissen. Gegen 6 Uhr morgens ging es los. Ein unglaubliches Geschrei, Gejammer und Gegacker erfüllte den Luftraum über dem alten Ortskern von Quiberon in der Bretagne – und unsere Gehörgänge. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Eine Bande von etwa 12 Silbermöwen startete von den umliegenden Dächern, sobald sich ein Mensch unten im Ort bewegte. Wahrscheinlich trieb die Hoffnung auf etwas Fressbares und gleichzeitig die Angst, es könnte ihnen jemand zuvor kommen – eine andere Möwe oder womöglich eine Krähe oder Elster – die Seevögel in die Luft und zu lärmenden Scheinattacken in Richtung der erhofften Futterquelle. Irritiert standen wir auf dem Balkon unserer Ferienwohnung im dritten Stock, hörten und schauten uns das Spektakel an. Jede Bewegung unsererseits quittierte das Möwengeschwader mit verstärkten Flugbewegungen. Das kann ja heiter werden, dachten wir und verzogen uns wieder in unsere Wohnung und in unser Bett.

Was uns in den ersten Tagen noch als lärmendes Chaos erschienen war, offenbarte sich jedoch bei genauerem Hinhören und -sehen nach und nach als komplexe Choreographie mit fein abgestimmten Solo-, Chor- und Wechselgesängen. Mehr und mehr wurden wir davon überzeugt, dass Möwen zu eindrucksvollen kulturellen Leistungen fähig sind. Die andächtige Hinwendung zum Antennenkabel gab uns allerdings Rätsel auf.

Möwe über Quiberon © Michael Kneffel

Möwe über Quiberon © Michael Kneffel

Tage später wurden wir am frühen Morgen erneut auf die drei aufmerksam. Vom Nebendach erklang in regelmäßigen Abständen ein katzenähnlicher Jammer- und Klagelaut, der uns schließlich auf den Balkon lockte. Der sich uns bietende Anblick war frappierend. Normalerweise standen alle Möwen, die nicht gerade flogen, mit stocksteifen Beinen auf den Dächern herum. Nun aber lag eine von den dreien in einer anbetungsähnlichen, von tiefer Demut zeugenden Haltung vor dem Antennenkabel auf dem Bauch und – wie soll man es anders ausdrücken – sang es an, inbrünstig und mit großer Ausdauer. Die beiden anderen flankierten sie völlig stumm und in der würdevollen Haltung von zwei katholischen Messdienern, was der ganzen Aktion den Charakter eines rituellen Handlung verlieh.

Nun war die Bretagne schon vor Jahrtausenden Schauplatz seltsamer und bis heute weitgehend unverstandener kultischer Handlungen, die in der Regel um tonnenschwere, aufrecht stehende Steine kreisten. Carnac mit seinen mehr als 3000 Menhiren ist keine zwölf Kilometer entfernt. Kann es sein, dass diese Gegend spirituell so aufgeladen ist, dass selbst Möwen…? Natürlich unter Berücksichtigung des technischen Fortschritts und in voller Wertschätzung moderner Fernsehtechnik?

Möwe über Quiberon © Michael Kneffel

Möwe über Quiberon © Michael Kneffel

Vor und nach dem Sturm

Innerhalb kürzester Zeit kann an der Küste der Bretagne das Wetter umschlagen – auch im Hochsommer. Von strahlendem Sonnenschein zu Weltuntergang. Schaum fliegt vom aufgepeitschten Meer hoch bis auf die Klippen oder sammelt sich als Teppich an den Stränden. Wenn der Sturm losbricht, geht niemand mehr freiwillig ins Freie. Aber die Minuten davor und danach sind großartig.

Côte Sauvage © Michael Kneffel

Côte Sauvage © Michael Kneffel

Côte Sauvage © Michael Kneffel

Côte Sauvage © Michael Kneffel

Côte Sauvage © Michael Kneffel

Côte Sauvage © Michael Kneffel

Côte Sauvage © Michael Kneffel

Côte Sauvage © Michael Kneffel

Côte Sauvage © Michael Kneffel

Côte Sauvage © Michael Kneffel

Côte Sauvage © Michael Kneffel

Côte Sauvage © Michael Kneffel

Côte Sauvage © Michael Kneffel

Côte Sauvage © Michael Kneffel

Sommerurlaub auf Quiberon 1 – An der wilden Küste, der Côte Sauvage

Quiberons wilde Seite, die Côte Sauvage © Michael Kneffel

Quiberons wilde Seite, die Côte Sauvage © Michael Kneffel

Wir sitzen mal wieder in der Crêperie „Avel Mor“ im kleinen und beschaulichen Hafen von Portivy auf der Halbinsel Quiberon in der Bretagne. Ende Juli, Hochsaison. Mittags ist hier jeder Stuhl besetzt, und es lässt sich nicht vermeiden, das eine oder andere Gespräch in der Nachbarschaft mitzuhören. Am Nebentisch versteht eine Kellnerin nicht die Frage eines französischen Urlaubers, und der Urlauber nicht ihre Antworten. Gefragt hatte der Gast nach der schönsten Stelle an der Côte Sauvage, Quiberons wilder Westküste, und die junge Frau schildert ihm mit großer Begeisterung, in immer neuen Anläufen und immer detail- und wortreicher die Schönheit dieses etwa sieben Kilometer langen, felsigen Küstenabschnitts.

Nach fast zwei Wochen Urlaub auf der Halbinsel würden wir jedes Wort von ihr unterschreiben, verstehen aber auch, warum die Kommunikation zwischen den beiden so gar nicht funktionieren will: Die schönste Stelle an der Côte Sauvage gibt es nämlich nicht. Die gesamten sieben Kilometer sind eine Wucht, und alle paar Meter gibt es neue umwerfende Aussichten auf die Felsen und das Meer. Fast täglich sind wir mit unseren Fahrrädern die schmale, kurvige Küstenstraße abgefahren, haben unzählige Male angehalten und konnten uns nicht satt sehen. Je nach Tageszeit, Wasserstand und Wetter gab es Neues zu entdecken.

Felsenlandschaft in der Bucht Port Bara © Michael Kneffel

Felsenlandschaft in der Bucht Port Bara © Michael Kneffel

Mal führt die Straße ganz nah an den Klippen vorbei, mal in größerer Entfernung über Anhöhen, die weite Blicke eröffnen. An mehreren Stellen biegen Wege zu einzelnen Buchten ab und enden in gebührendem Abstand auf Parkplätzen, von denen man zu Fuß weiter gehen muss. In früheren Jahren hatte dieses großartige Stück Natur so sehr unter dem Ansturm der Besucher gelitten, dass nun große Flächen oberhalb der Felsen durch einen Draht abgetrennt sind, der über kniehohe Holzpfosten gespannt ist. Auf Tafeln werden die Besucher gebeten, auf den Fußwegen zu bleiben und die Vegetation zu schonen. Erfreulicherweise funktioniert diese eher symbolische Absperrung sehr gut. Nur wenige Menschen betreten die abgesperrten Flächen, so dass sich auch die dort lebenden Vögel einigermaßen sicher fühlen können.

Ein junger Turmfalke sitzt nur wenige Meter entfernt vom Wanderweg © Michael Kneffel

Ein junger Turmfalke sitzt nur wenige Meter entfernt vom Wanderweg © Michael Kneffel

An der ganzen Côte Sauvage gilt striktes Badeverbot, weniger aus Gründen des Naturschutzes als wegen der Gefahr, die von den mitunter eindrucksvollen Wellen ausgehen, die gegen die Felsen krachen. Unbeeindruckt von dem Verbot zeigen sich vor allem die einheimischen Surfer, denen die Wellen gar nicht hoch genug sein können und die es besonders dann scharenweise in die einschlägigen Buchten treibt, wenn sich vorher ein Unwetter über dem Meer ausgetobt hat. In der Urlaubssaison ziehen sie viele Zuschauer an, von denen sich nicht wenige in denselben engen Buchten zum Baden in die Wellen stürzen. Dabei riskieren sie nicht nur, dass ihnen heftige Wellen die Beine wegziehen, sondern außerdem, dass sie von den Surfern im wahrsten Sinne des Wortes überfahren werden.

Badende und Surfer riskieren Kopf und Kragen © Michael Kneffel

Badende und Surfer riskieren Kopf und Kragen © Michael Kneffel

Die Côte Sauvage läßt sich auch mühelos erwandern. Unmittelbar über dem Meer führt ein schmaler Weg von Bucht zu Bucht und von Aussicht zu Aussicht. Er beginnt im Norden in Portivy und endet im Süden am nicht zu übersehenden Château Turpault am Rande des Hauptortes der Halbinsel, der ihr den Namen gegeben hat. Die einzige Einkehrmöglichkeit findet sich erst wieder etwa anderthalb Kilometer vor dem Ort Quiberon. Das hier sehr schön gelegene Restaurant „Le Vivier“ ist wegen seiner Austern und Meeresfrüchte im weiten Umkreis sehr beliebt und in der Hauptsaison mittags und abends in der Regel ausgebucht. Wer auf der Terrasse die Aussicht in Ruhe genießen möchte, plant seine Küstenwanderung, die eher ein langer Spaziergang ist, am besten so, dass er noch am Vormittag „Le Vivier“ erreicht und dort seinen Café nimmt.

Anfangs- oder Endpunkt der Küstenwanderung ist das Château Thurpault © Michael Kneffel

Anfangs- oder Endpunkt der Küstenwanderung ist das Château Turpault © Michael Kneffel

Mein Foto der Woche – der Felsenbogen von Port Blanc auf Quiberon

Felsbogen von Port Blanc © Michael Kneffel

Felsenbogen von Port Blanc  © Michael Kneffel

Diesen Sommerurlaub haben wir auf der Halbinsel Quiberon in der Bretagne verbracht. Das Foto der Woche zeigt den Felsbogen von Port Blanc (Porz Guen) an der Côte Sauvage, eine der vielen Sehenswürdigkeiten dieser großartigen Urlaubsregion. In Kürze folgt ein ausführlicher Bericht mit vielen Fotos.