Nach einer kurzen Auszeit über den Jahreswechsel wollte mein (A3-Foto-)Drucker Canon i9950 nicht mehr korrekt drucken. Vorlagen, die vor allem mit Grau- und Orange-Tönen arbeiten, wie mein Briefpapier und meine Visitenkarten, erschienen nur noch in einem blassen Mix aus Rot und Magenta. Zwei einfache Reinigungen und zwei weitere Intensivreinigungen konnten daran nichts ändern. Seltsamerweise wiesen aber die Testdrucke, die man nach einer Reinigung und nach einer Druckkopfausrichtung durchführen kann, alle Farbtöne auf. Und auch die Ausdrucke einfacher E-Mail- oder Word-Texte zeigten satte Schwarz- und Rot-Töne. Mysteriös!

Meine Recherche im Internet zeigte schnell, dass ich nicht der erste mit diesen Problemen war. Die Empfehlungen in verschiedenen Foren lauteten: Zuerst die üblichen Reinigungen versuchen. Wenn das nicht hilft, den Druckkopf reinigen. Und wenn das auch nichts bringt, einen neuen Druckkopf kaufen. Es gab aber auch Leidensgenossen, die berichteten, dass der Drucker selbst mit einem neuen Druckkopf nicht mehr funktionierte, sondern weiterhin nur blassrosafarbene Ausdrucke produzierte. Als Verursacher der Probleme wurden übrigens in der Regel billige Fremdtinten identifiziert, wie ich sie auch seit einigen Monaten benutzte.

Die üblichen Reinigungsversuche hatte ich ja nun schon hinter mir. An den Ausbau und die Reinigung des Druckkopfes traute ich mich nicht heran. Den Druckkopf stellte ich mir als massives, hochkompliziertes, wahnsinnig empfindliches Hightech-Bauteil vor, von dem ich als Laie die Finger lassen sollte.

Ein Anruf beim telefonischen Support von Canon bestätigte mich in dieser Auffassung. Mein Ansprechpartner dort hatte für das seltsame Verhalten meines Druckers  keine Erklärung, empfahl mir, aktuelle Treiber zu installieren, es auch mal mit dem Drucken von einem anderen Comuter aus zu versuchen und, wenn das alles nicht helfen sollte, den Drucker in die Canon-Werkstatt zu bringen.

Tatsächlich brachte mich keine der Empfehlungen weiter. Auf den Drucker während einer Reparatur bei Canon womöglich wochenlang zu verzichten, erschien mir auch nicht gerade attraktiv. Also schnappte ich mir einige Ausdrucke und ging zum Computer-Händler meines Vertrauens, bei dem ich das Gerät auch gekauft habe.

Mein Händler hörte und sah sich die Sache an, verdächtigte den Druckkopf als Übeltäter, stellte fest, dass ein neuer ca. 140 Euro kosten würde und empfahl mir den Druckkopf einfach mal selbst mit destilliertem Wasser zu reinigen. Als ich ihm sagte, dass ich mich niemals an den Ausbau herantrauen würde, demonstrierte er mir an seinem eigenen Drucker im Laden, wo genau der Druckkopf sitzt und wie man ihn sehr leicht herausnehmen kann. Von “Ausbau” kann bei diesem einfachen Vorgang wirklich nicht die Rede sein.

Man öffnet einfach die Klappe des Druckers, als wenn man eine Tintenkartusche ersetzen wollte, und entnimmt alle Kartuschen. Die Kunstoffschale, in der die Kartuschen sitzen, läßt sich an den Seitenwänden leicht fassen und ohne weitere Umstände herausnehmen. Auf der Unterseite der Kunststoffschale befindet sich relativ unscheinbar, in Form eines metallisch glänzenden Feldes mit feinen, parallelen Schlitzen der Druckkopf.

In einer Salatschüssel habe ich den Druckkopf mit destilliertem Wasser – 5 Liter für 1,25 Euro – übergossen und kurz einweichen lassen. Die ersten beiden “Aufgüsse” ergaben eine pechschwarze Brühe, der vierte nur noch eine leichte Cyan-Färbung. Anscheinend hatte die Cyan-Tinte das Bauteil am hartnäckigsten verstopft. Nach dieser Handwäsche habe ich den Druckkopf im Freien gut ausgeschlagen und anschließend vorsichtig mit weichem Küchen-Krepp abgetupft, ohne die Metallteile und Kontakte zu berühren. “Eingebaut” waren Druckkopf und Tinten innerhalb von Sekunden, und dann kam der große Augenblick. Der Drucker nahm wie gewohnt die Arbeit auf. Der erste Ausdruck war noch etwas blass, dann funktionierte aber alles einwandfrei und ich bekam tadellose Ausdrucke.

Luna die blöde Kuh

13. Dezember 2011

In der Fernsehsendung “Menschen 2011″, dem Jahresrückblick des  ZDF wird ein Mädchen vorgestellt, das auf einem Bauernhof lebt, sich ein Pferd wünscht, aus finanziellen Gründen keins bekommt und schließlich beginnt, auf einer Milchkuh zu reiten und dieser Kuh namens Luna sogar beibringt, mit ihr über Hindernisse zu springen. Das Mädchen zeigt, dass aus einer vermeintlich blöden Kuh, einem anonymen “Nutztier” ein wertvoller Spielkamerad mit beachtlichen Fähigkeiten und sogar eine gute Freundin werden kann. Und was macht die Redaktion der Sendung? Schenkt dem armen Mädchen ein Pferd, damit es nicht mehr auf einer Kuh reiten muß. Endlich was Richtiges!

Oh Herr, schmeiß Hirn auf diese Redaktion. Auch Kuh-Hirn dürfte eine enorme Verbesserung bringen.

Am letzten Wochenende hatte ich das Glück und das Vergnügen, einen der seltenen Auftritte der Wellingtons aus Brauweiler, dem heimlichen Zentrum des Rocks,  erleben und im Bild festhalten zu dürfen. Verstärkt wurden die Gummistiefel- und Feinripp-Rocker bei ihrem Auftritt in Pulheim-Dansweiler zeitweilig durch Dr. Pop, der für diesen Gig im Rahmen der Brauweiler Blogparty extra aus der Hauptstadt angereist war.

Henri Wellington hat Teile meines Bildmaterials zu dem obigen Film verarbeitet. Weitere Fotos vom Auftritt gibt es auf meiner Homepage.

Scroogle – finde ich gut!

10. November 2011

Nein, stimmt gar nicht. Scroogle finde ich sogar supergut!!! Wird übrigens empfohlen von diversen Daten- und Verbraucherschutzorganisationen, außerdem vom Chaos Computer Club.

“Scroogle ist ein Webdienst, der als Proxy für Googles Suchfunktion fungiert. Scroogle schützt dabei die Privatsphäre der Suchenden durch das Verhindern der Erfassung von Nutzeraktivitäten. Insbesondere Googles Logging und langfristige Speicherung der Nutzeraktivitäten mittels Cookies oder IP-Adressen werden vermieden. Diese Daten ließen dem Konzern ansonsten die Möglichkeit, anhand der eingegebenen Suchbegriffe und die auf den Ergebnisseiten verfolgten Links Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Benutzers zu ziehen.” (Wikipedia)

Oder einfacher: Scroogle leitet meine Suchanfrage auch an Google, baut aber vor und hinter der Datenkrake Filter ein, so dass meine Anfrage dort nicht gespeichert, zu einem Persönlichkeitsprofil zusammengestellt und an Werbetreibende oder sonst wen weitergegeben werden kann.

Scroogle läßt sich problemlos als Add On in Firefox einbinden. Die Anleitung dafür findet sich hier http://www.verbraucher-sicher-online.de/blog/scroogle-add-ons-fuer-den-firefox.

Wenn man Scroogle für die Suche benutzt, bekommt man nach meinen ersten Versuchen dieselben Ergebnisse wie bei Google – nur ohne Werbung und ohne Speicherung und Weiterverkauf der eigenen Daten wie bei der Datenkrake Google.

Viel Spaß beim scroogeln!

Knappe 90 Jahre nach der ersten Aufführung eines Tonfilms haben auch bei mir die Bilder laufen und sprechen gelernt. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer für mich. Auch wenn noch einiges ruckelt und wackelt… das ist der Weg.

Buch-Messe in Maastricht

12. Oktober 2011

(c) Michael Kneffel

Beim Begriff Buchmesse denken die meisten von uns an die Großveranstaltung in Frankfurt, die gerade wieder ihren Anfang genommen hat. Ganz andere Assoziationen hatten wahrscheinlich die Besitzer der niederländischen Buchhandelskette Selexyz, die 2006 in Maastricht einen einzigartigen Wallfahrtsort für Buchliebhaber geschaffen haben, und zwar in einer ehemaligen Dominikaner-Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Wer das Selexyz Dominicanen in der Dominikanerstraat 1 zum ersten Mal betritt, bleibt mit offenem Mund und großen Augen am Eingang stehen und versteht sofort, warum manche von einer  der schönsten Buchhandlungen der Welt sprechen. Auf mehreren Etagen wird in der ältesten gotischen Kirche der Niederlande ein Buchsortiment präsentiert, das einer Universitätsstadt würdig ist.

(c) Michael Kneffel

Mit Respekt vor dem alten Sakralbau wurden die für eine Buchhandlung notwendigen Regale aus schwarzem Stahl in dem bis zu 23 Meter hohen Kirchenschiff platziert, ohne z.B. im linken Seitenschiff das älteste Bildnis  Thomas von Aquins aus dem Jahre 1337 zu verstellen. In der Vergangenheit war man auch schon anders mit dieser Kirche umgegangen. Seit 1804 hatte die ehemalige Dominikaner-Kirche  als Pferdestall und Hinrichtungsplatz gedient, später als Veranstaltungsort für Boxkämpfe, Autoausstellungen und den beliebten Maastrichter Kinderkarneval. Das heutige Café im ehemaligen Chor der Kirche wirkt demgegenüber fast schon dezent.

(c) Michael Kneffel

im Schlosspark von Compiègne (c) Michael Kneffel

Das am anderen Ende des großen Waldgebietes liegende Compiègne haben wir bei dem sehr instabilen Wetter dann doch lieber mit dem Auto als mit dem Rad besucht, und zwar gleich mehrmals. In der hübschen und lebendigen Kleinstadt mit vielen Verwaltungseinrichtungen und großem Theater hat uns besonders das Schloss angezogen. Von seiner rückwärtigen Terrasse führt die 4,5 Kilometer lange schnurgerade Allée des Beaux Monts durch Garten, Park und Wald bis zu einem Aussichtshügel, dem Ziel- und Wendepunkt vieler Spaziergänger und Jogger. Auf den weiten Wiesen des Parks lassen sich bei schönem Wetter nicht wenige Bürger der Stadt nieder und genießen die Natur.

Über das schöne Senlis führte unser weitester Ausflug zum rund 50 Kilometer entfernten Schloss von Chantilly, das mit dem Museum Condé die größte Sammlung alter Gemälde außerhalb des Louvre beherbergt.

Musée Condé im Schloss Chantilly (c) Michael Kneffel

Fast noch eindrucksvoller als das Schloss selbst sind die Pferdeställe seines Reitgestüts aus dem Jahr 1719, die größten und prächtigsten der Welt – auch olfaktorisch ein umwerfendes Erlebnis. Besser hat es uns dann doch im Restaurant des Schlosses gefallen, das in der alten Schlossküche untergebracht ist. Hier soll 1671 Francois Vatel, Haushofmeister und Koch des Prinzen von Condé, die berühmte Crème Chantilly erfunden haben. Alle Gerichte im Restaurant sollen nach Original-Rezepten Vatels zubereitet werden, der zu den bedeutendsten Küchenmeistern seiner Zeit zählte. Kann sein, dass heute noch seine Rezepte verwendet werden, dann aber von weniger begnadeten Köchen. Unser Essen war eher mittelmäßig und konnte mit dem historischen Ambiente nicht mithalten.

Abteiruine in Soissons (c) Michael Kneffel

Von Besuchen des östlich von Pierrefonds gelegenen Soissons wird in vielen Reiseführern zwischen den Zeilen eher abgeraten. Diese uralte und für die Geschichte Frankreichs wichtige Stadt lag im ersten Weltkrieg 80 Tage lang auf der heftig umkämpften Frontlinie. Dabei blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Im Zuge des Wiederaufbaus hat sich um Soissons herum eine Menge Industrie und Gewerbe niedergelassen, was den Tourismus auch nicht gerade fördert. Einen Besuch wert sind jedoch allemal die Ruine der Abteikirche Saint-Jean-des-Vignes und das benachbarte Museum.

Aussichtspunkt im Wald von Compiègne (c) Michael Kneffel

Pierrefonds liegt am östlichen Rand des Walds von Compiègne, des drittgrößten Waldgebiets Frankreichs, ca. 80 Kilometer nördlich von Paris. Seit Louis XIV gibt es hier ein ausgedehntes Waldwanderwegenetz. Schnurgerade Weg durchziehen den wildreichen Mischwald. Wo sie zusammentreffen, weisen seit 1825 Schilder an hohen weißen Pfeilern den Weg. Verlaufen kann man sich hier kaum. Einige dieser Wege sind auch mit dem Rad befahrbar. Aber auch wer sich gerne etwas abenteuerlicher auf Trampelpfaden, kaum breiter als Wildwechsel, durch dichtes Unterholz und mannshohe Farne schlägt, kommt hier auf seine Kosten.

Wanderweg im Wald (c) Michael Kneffel

In den letzten Jahren sind asphaltierte Radstrecken dazu gekommen, nicht zuletzt ein etwa 26 Kilometer langer Radrundweg, der Pierrefonds und Compiègne ohne nennenswerte Steigungen verbindet und auch bei Skatern sehr beliebt ist. Im Wald und an seinen Rändern liegen malerische Dörfer, in deren Natursteinhäusern mit den typischen treppenartigen Giebelkanten nicht selten betuchte Pariser ihre Wochenenden verbringen. Umgeben ist der Wald im Norden, Osten und Süden von riesigen landwirtschaftlich genutzten Flächen, auf denen meistens Getreide angebaut wird. Im Sommer geben einem diese Felder ein Gefühl von Weite und Ruhe, wie es sich sonst nur am Meer einstellt.

Weizenfeld bei Retheuil (c) Michael Kneffel

Wer sich auch im Hochsommer gern bewegt, dabei aber der prallen Sonne und Hitze entgehen will, ist im Wald von Compiègne bestens aufgehoben. Das dachten wir uns jedenfalls, als wir unseren Urlaub planten. Nur gab es in diesem Sommer kaum Sonne und schon gar keine Hitze, dafür Regen wie aus Eimern und allenfalls herbstliche Temperaturen. An unserem kältesten Urlaubstag zeigte das Thermometer nie mehr als 12 Grad. Und das Mitte Juli!

In der entsprechenden Kleidung machten wir uns trotzdem täglich auf den Weg, anfangs zu Fuß, später als das Wetter etwas besser wurde, meistens auf dem Rad. In den tiefen Wald schienen bei dem miserablen Wetter nur selten Menschen zu kommen, so dass sich ausgehungerte Bremsen immer gleich in großen Mengen auf uns stürzten, was das Wandervergnügen etwas beeinträchtigte. Nach der ersten Woche waren wir aus gegebenem Anlass auch im Besitz eines kleinen Instruments, mit dem man Zecken unfallfrei aus der Haut drehen kann.

altes Tor in Saint-Jean-aux-Bois (c) Michael Kneffel

Unser Lieblingsziel in der näheren Umgebung war mitten im Wald das Dorf Saint-Jean-aux-Bois, dessen Kern eine ehemalige Benedektiner-Abtei bildet, um die herum sich viele schöne alte und sehr gepflegte Natursteinhäuser gruppieren. Große Hoffnungen hatten wir hier in das rustikale Restaurant „La Fontaine St. Jean“ und seine traditionelle regionale Küche gesetzt, das ich auf meiner Fahrradtour im Mai kennen gelernt und in guter Erinnerung behalten habe. Leider schloss es kurz nach unserer Ankunft für die Sommerferien. Wer es etwas feiner möchte, hat im Ort  auch noch die „Auberge a la Bonne Idee“ zur Auswahl.

Le Grand Marechal in Rethondes (c) Michael Kneffel

Besonders gefallen haben uns noch die Dörfer La Brèvière, Vieux-Moulin und außerhalb des Waldes Chelles, Saint-Etienne-Roilaye, Saint-Crèpin-aux-Bois und Rethondes an der Aisne.

Das Herz von Rethondes schlägt im “Le Grand Marechal”, wo man übernachten, essen, einkaufen, Fahrräder ausleihen und sich bei sehr freundlichen Menschen einfach nur wohl fühlen kann. Gehobene Küche bietet im selben Ort der Ein-Stern-Koch Alain Blot. Die Speisekarte war vielversprechend, die Preise überraschend zivil. In unserem Radfahrer-Outfit wären wir dort aber etwas fehl am Platz gewesen.

Von hier ist es auch nicht mehr weit bis zu dem berühmten Eisenbahnwaggon, in dem 1918 und 1940 die Waffenstillstandsabkommen zwischen Frankreich und Deutschland unterzeichnet wurden. Das kleine Museum, in dem der Waggon verwahrt wird, scheint leider in der zentralen Museumsverwaltung Frankreichs keine Fürsprecher zu haben.  (Fortsetzung folgt.)

das Museum zu den Waffenstillstandsabkommen (c) Michael Kneffel

Pierrefonds mit gleichnamigem Chateau (c) Michael Kneffel

Immer auf der Suche nach dem schönen, alten, “typischen” Frankreich sind wir in diesem Sommer einmal mehr in der Picardie im Norden Frankreichs fündig geworden. Für zwei Wochen haben wir uns in einem netten Ferienhaus in Retheuil einquartiert, um von dort aus den Wald von Compiègne und die in ihm gelegenen kleinen Orte zu erkunden. Im winzigen Retheuil selbst gab es nicht viel zu sehen, so dass das benachbarte Pierrefonds mit seinem eindrucksvollen Schloss unser eigentliches Zuhause wurde, wo wir unsere Ausflüge starteten und/oder beendeten. Das Schloss von Pierrefonds ist in ganz Frankreich bekannt und beliebt, weil es schon oft die Kulisse für Mantel-und-Degen-Filme bildete. Der Strom von Reisebussen, die ständig neue Besuchergruppen in das Schloss und den Ort bringen, scheint nie abzureißen.

Innenhof des Schlosses Pierrefonds (c) Michael Kneffel

Was von außen wie eine trutzige und wehrhafte Ritterburg aus dem Mittelalter erscheint, ist in Wirklichkeit noch nicht sehr alt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Schloss nach den Plänen von Eugène Viollet-le-Duc, der u. a. auch die Restaurierung der Kathedrale Notre Dame in Paris leitete, mit viel Liebe zum Detail auf den Ruinen einer mittelalterlichen Anlage “rekonstruiert”.  Viollet-le-Duc besaß offensichtlich eine Menge Humor und interpretierte alte Baupläne ziemlich frei, was ihm von Zeitgenossen auch schon mal die Bezeichnung “Restaurierungs-Vandale” eintrug. Eine Besichtigung des Schlosses lohnt sich trotzdem, vielleicht auch gerade deswegen.  Dort wo mittelalterliche Burgen mit Verliesen und Folterkammern aufwarten, überraschen die Kellerräume von Pierrefonds mit einer eindrucksvollen Multi-Media-Installation. Zwischen den Statuen und Grabplatten zahlreicher berühmter Franzosen aus vielen Jahrhunderten und allen politischen Lagern flüstern Schauspielerstimmen berühmte Passagen aus deren Schriften und Reden, so als würden diese alten Herrschaften auch heute noch für ihre Werte und Überzeugungen kämpfen.

in Pierrefonds (c) Michael Kneffel

Erstaunlicherweise leidet das Leben im Ort nicht unter dem Touristenandrang. Im Gegenteil. Der Tourismus trägt ganz erheblich dazu bei, dass sich in Pierrefonds alle Einrichtungen halten, die das Leben dort angenehm machen: Hotels, Gastronomie, Lebensmittelgeschäfte usw. Neben dem “Café Restaurant du Commerce”, einer traditionellen Mischung aus Restaurant, Brasserie, Bistrot, Café, Bar, Tabakladen und Wettannahme gibt es zwei ausgezeichnete Boulangerien / Patisserien. Uns hat es besonders “Vanille & Chocolat” angetan, dessen immer krummen Baguettes einfach sensationell sind. Ein Charcutier-Traiteur mit Rotisserie und zwei kleine Lebensmittelgeschäfte sichern mehr als die Grundversorgung.

Zu unserem Lieblingsplatz in Pierrefonds wurde schon bald eine Bank in einem Gartenlokal direkt unterhalb des Schlosses, das wunderbar improvisiert wirkt, an seinen Eingängen mit Crepes, Eis und Zuckerwatte wirbt und von einem älteren Ehepaar betrieben wird. Immer im Laufschritt wuseln die beiden zwischen den Tischen und Bänken umher, finden aber trotzdem für alle Gäste ein freundliches Wort und lachen gern mit ihnen. Insbesondere Kinder, die gerade das Schloss besichtigt haben und ihre neuen  Holzschwerter und Ritterfiguren präsentieren, fühlen sich von diesem Lokal angezogen, nicht zuletzt wegen des alten Karussells in der hintersten Ecke.

unser Lieblingsplatz in Pierrefonds (c) Michael Kneffel

(Fortsetzung folgt.)

Wo ist hier die Baustelle?

14. August 2011

Vollsperrung der Alfredstraße (c) Michael Kneffel

Am Wochenende 13./14.08.2011 wurde die Alfredstraße in Essen (B224) auf der Höhe des Museums Folkwang komplett gesperrt. Begründung: Dringende Reparaturarbeiten an der Fußgängerbrücke zum Museum. Die Alfredstraße ist die wichtigste Nord-Süd-Durchgangsstraße der Stadt und gehört zu den verkehrsreichsten Straßen nach der A40.  Auf der parallel verlaufenden Rüttenscheider Straße und ihren Verbindungen zur Alfredstraße herrschte, wie nicht anders zu erwarten, am Samstag ab Beginn der Vollsperrung Chaos. Endlose Stauungen, Hupkonzerte, blank liegende Autofahrernerven. Am Sonntag hatte sich Lage etwas entspannt, das Verkehrsaufkommen im Stadtteil und damit alle Beeinträchtigungen durch Lärm und Abgase blieben aber beachtlich. Als ich am Sonntagmittag zufällig an der vorgeblichen Baustelle vorbei kam, bot sich mir  folgendes Bild http://www.youtube.com/watch?v=bcOLr4q_QRQ. Von Reparaturarbeiten nichts zu sehen. Gar nichts! Dass es für ortsfremde Autofahrer nicht die geringste Umleitungsbeschilderung gab, sei nur am Rande erwähnt.

Vollsperrung der Alfredstraße (c) Michael Kneffel

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